Sport : Out of Betzdorf

Beim Afrika-Cup treffen sich Profis und ein Lagerarbeiter

André Görke

Michel Kamanzi hat Glück, dass die „Theatergemeinde Betzdorf“ gerade nicht die Stadthalle gemietet hat. Die Betzdorfer werden somit viel Zeit haben, um ihm, dem berühmtesten Lagerarbeiter des Dorfes, auf einer Leinwand beim Fußballspielen zuzuschauen.

Kamanzi ist einer von ihnen, ein Fußballer der „Spielgemeinschaft 1906 Betzdorf“. Tapfer zieht er sich an jedem Wochenende das Trikot über, spielt gegen die Fußballer aus Emmelshausen und Lahnstein und geht am nächsten Morgen seinem Alltag in einem Versandhaus nach. Heute wird alles anders sein, heute ist Kamanzi ein Held. Der Lagerarbeiter aus dem Westerwald stürmt für die Nationalmannschaft von Ruanda.

Geschichten wie diese machen die Faszination aus beim Afrika-Cup, der heute mit dem Spiel des Gastgebers Tunesien gegen Ruanda eröffnet wird (19.30 Uhr, live auf Eurosport). Natürlich ist die Zahl der professionellen Fußballer weit größer als die der Amateure, und die meisten spielen nicht in Deutschland, sondern in Frankreich. Die „Neue Züricher Zeitung“ hat ausgerechnet, dass 51 Afrikaner den französischen Profiklubs in den kommenden Wochen nicht zur Verfügung stehen. Allein der RC Lens muss auf sechs Profis verzichten, der Tabellenfünfte FC Sochaux auf fünf.

Deutsche Klubs sind seltener betroffen. Kaiserslautern hat Lucien Mettomo und Bill Tchato zum Nationalteam von Kamerun reisen lassen, der VfL Bochum verzichtet auf Delron Buckley (Südafrika), Freiburg auf Soumaila Coulibaly (Mali), Hannover auf Mohammadou Idrissou (Kamerun). Schließlich müssen Rostock und Schalke auf die Nigerianer Gabriel Melkam und Victor Agali verzichten.

Den europäischen Vereinen passt es nicht, wenn in der Vorbereitungsphase auf die Bundesliga-Rückrunde ihre Spieler zum Afrika-Cup reisen. Das Turnier findet alle zwei Jahre statt, die körperliche Belastung durch die Temperaturunterschiede im Januar sind enorm. Und wenn der Arbeitgeber Pech hat, dann fangen sich die Profis eine Infektion ein, klagt Freiburgs Trainer Volker Finke. Kaiserslautern hat schon mal vorsichtshalber den Stuttgarter Timo Wenzel verpflichtet, falls die beiden Kameruner Tchato und Mettomo nicht gesund zurückkehren. Ähnlich sieht es bei Hannover 96 aus. Der Klub verhandelt seit Wochen mit dem Wolfsburger Tomislav Maric, um eine Alternative zu haben, falls sich Idrissou in Tunesien verletzt.

Den Afrikanern bedeutet das Turnier viel. Es geht um Rivalität. Und da der Weltverband Fifa im Mai das afrikanische Austragungsland der Weltmeisterschaft 2010 bekannt geben will, geht es auch um weltweite Präsentation. Die Bundesliga spielt in den Überlegungen der Beteiligten darum keine Rolle.

Betzdorf immerhin wird Glück haben. Wenn sich die Fußballer der SG 1906 in drei Wochen in der Kabine treffen, um sich für das Spiel gegen die Amateure von Eintracht Trier umzuziehen, wird ihr Kollege Michel Kamanzi wieder dabei sein. Ruanda ist beim Afrika-Cup nur Außenseiter.

Infos zum Afrika-Cup im Internet:

www.cocan2004.com

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