Sport : Ovationen zum Abschied Ist ja alles gut

60 000 Zuschauer feiern Ottmar Hitzfeld bei Bayerns 2:0-Sieg gegen Freiburg Hertha schlägt Köln 3:1, Trainer Meyer wird gefeiert – und Torwart Kiraly bekommt großen Applaus

Klaus Rocca

Am letzten Arbeitstag im Olympiastadion hat Ottmar Hitzfeld einen seiner emotionalsten Momente in sechs Münchner Jahren und seiner Trainerkarriere überhaupt erlebt. Auf jeden Fall hat man dem Fußballlehrer, der mit dem FC Bayern alles gewonnen hat, was es zu gewinnen gibt, selten so bewegt gesehen. „ Ich hatte mit den Tränen zu kämpfen“, sagte er, nachdem ihn Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge und Manager Uli Hoeneß mit einem großen Blumenstrauß auf dem Spielfeld verabschiedet und sich 60 000 Menschen im Stadion vor Ottmar Hitzfeld verneigt hatten.

Anschließend erledigte die Mannschaft mit einem 2:0-Sieg gegen den SC Freiburg, was als letzte Pflicht begriffen wurde, als das Mindeste zum würdigen Abschied Ottmar Hitzfelds nach einer Saison voller Enttäuschungen. Es ist die erste Saison Hitzfelds ohne Titel für den verwöhnten FC Bayern gewesen. Dabei war es der Trainer selbst, der sich und seine Arbeit stets am Erfolg und am Anspruch des deutschen Rekordmeisters gemessen hatte.

Den Platz in der Champions League erbt nun Felix Magath. Es ist eine Morgengabe für seinen Nachfolger und in Hitzfelds Augen ein Minimalziel. „Der Auftrag ist erfüllt. Mit der Direktqualifikation ist die Saison wenigstens finanziell ein Erfolg“, sagte Hitzfeld. Mit dem geglückten Comeback von Sebastian Deisler und dessen frühen Tor zum 1:0 war der Boden bereitet. Die Bayern kontrollierten die Partie, und nach einen völlig frei erfundenen Elfmeter von Schiedsrichter Weiner durfte Bixente Lizarazu sich und den Fans in seinem letzten Spiel für die Bayern noch ein Abschiedsgeschenk machen.

Die Freiburger kamen eine Woche nach dem sichergestellten Klassenerhalt nicht über die Statistenrolle bei der großen Abschiedsparty hinaus. „Das ist Ottmar Hitzfelds Tag. Ich weiß nicht, ob ich ihm nun gratulieren oder ihn bedauern soll“, sagte Freiburgs Trainer Volker Finke und fügte geheimnisvoll hinzu: „Ich glaube, wir sehen uns in der Bundesliga nicht mehr wieder.“ Er sieht die Zukunft Hitzfelds entweder als Bundestrainer oder in einer anderen europäischen Spitzenliga.

Berlin - Er kam dem Wunsch der Fotografen gern nach. In der rechten Hand den von Dieter Hoeneß überreichten Koffer mit den Fanartikeln, in der linken den Blumenstrauß, um den Hals den Hertha-Schal und hinter ihm das Plakat „Danke, Hans, für den Klassenerhalt“ – so ließ er sich ablichten, der schon eine Woche zuvor als Retter gefeierte Hans Meyer. Und er genoss die Situation sichtlich und freute sich, dass ihm ein riesiger Wagen mit Rosen überreicht worden war – ihm, dem angeblichen Rosenzüchter. Zeit, die Blumen zu Hause in Bad Hersfeld zu pflegen, hätte er nun genug, doch die sollen nach Angaben des Managers auf dem Vereinsgelände von Hertha gepflanzt werden. Als Erinnerung an einen Trainer, der Hertha BSC in höchst prekärer Situation übernommen und der Berlins Bundesligisten vor dem Sturz in die Zweitklassigkeit bewahrt hat. Und der mit dem gestrigen 3:1(0:0)-Sieg über den Absteiger 1. FC Köln auch noch ein gelungenes Finale beschert hat.

Auch die Spieler dankten es ihm. Auf der Ehrenrunde durch das Olympiastadion, gefeiert von begeisterten Zuschauern, trugen sie Trikots mit der Aufschrift „Danke, Hans“. Und mitten im Jubel drückten sie ihren Trainer immer wieder an ihre Brust. Das hatte Manager Hoeneß schon vorher getan. Wohl auch im Bewusstsein, dass ihm das geglückte Saisonfinale auf der Mitgliederversammlung am Montag vieles leichter machen wird.Ein wenig Wehmut schwang bei Meyer natürlich mit. Auch bei Gabor Kiraly, der wie Meyer Abschied von Hertha nahm. Vor dem Spiel mit einem Blumenstrauß bedacht, wurde er schon früh zum zweiten Liebling der Fans. „Wir wollen Gabor sehen“, riefen sie in Richtung Trainerbank.

Meyer zögerte noch, Hoeneß bestärkte ihn, dem Ungar noch einmal ein Podium zu gewähren. In der 75. Minute war es so weit. Kiraly sollte eingewechselt werden. Fast wäre daraus nichts mehr geworden, weil Roberto Pinto verletzt und mit einem dritten Feldspieler das Auswechselkontingent erschöpft gewesen wäre. Doch Pinto wollte nicht Spielverderber sein und meldete sich wieder zurück. Kiraly, frenetisch gefeiert, durfte noch einmal zwischen die Pfosten.

Später bedankte er sich artig. „Ich habe ein großes Herz mit vielen Türen, auf einer steht ,Hertha BSC’ drauf“, sagte er. Noch bleibt er in Berlin, weil seine hochschwangere Frau den Sohn hier zur Welt bringen soll. Und weil er sich für seinen neuen Verein hier fit halten will. Wie der Verein heißt, wollte und konnte er wohl auch noch nicht sagen. England soll sein Ziel sein.

Vor sieben Jahren hat Gabor Kiraly sein erstes Spiel für Hertha gegen den 1. FC Köln bestritten, gestern auch sein letztes. Beide Male gab es Siege. „Ein Glück, dass uns die Kölner die Abschiedsfeier nicht verdorben haben“, sagte Meyer. Einige Zeit, besonders vor der Pause, sah es danach aus, „da haben wir schwach gespielt“ (Dieter Hoeneß). Später machten Marcelinho mit einem mit 117 km/h getretenen Elfmeter (Foul von Feulner an Wichniarek), Fredi Bobic und Rafael Nando alles klar. Den 13 Punkten aus der Hinrunde waren 26 in der Rückrunde gefolgt – dank Meyer.

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