Sport : Pack die Badehose ein

Die deutschen Spitzenschwimmer verzichten auf die EM

Frank Bachner

Berlin. Jahrelang ist Heiko Hell von Schwimmfest zu Schwimmfest getingelt. Die Termine lagen vor oder nach Titelkämpfen, und Hell hat viel gesehen in dieser Zeit. Viel von Schleswig-Holstein, um genau zu sein. Denn außerhalb dieses Bundeslandes lagen seine Wettkampforte bei diesen Touren selten. Sein damaliger Trainer wollte es so, und irgendwann hatte der Freistil-Spezialist Hell keine Lust mehr auf solche Wettkämpfe. Der elfmalige Deutsche Meister wechselte vor einem Jahr nach Hamburg zu dem Spitzentrainer Dirk Lange, und der meldete ihn für große, internationale Schwimm-Meetings. Vor drei Wochen traf Hell deshalb in Amsterdam auf den zweimaligen Olympiasieger Pieter van den Hoogenband. Er verlor zwar, aber Hell war das egal. „Ich habe Erfahrung gesammelt, es ist wichtig, gegen gute Leute zu schwimmen.“

Deshalb reist er auch gern zur Schwimm-Europameisterschaft nach Madrid, die heute beginnt und bis zum 16. Mai dauert. „Ich treffe auf sehr gute Gegner und bekomme Wettkampfhärte.“ In Madrid trifft er wohl auch wieder auf van den Hoogenband. Trotzdem wird Madrid für Hell nur ein Kurztrip. Er reist an, geht am nächsten Tag ins Becken, hofft, dass er über 200 m Freistil ins Finale kommt, und einen Tag später jettet er schon wieder nach Hamburg zurück. „Er schwimmt nur eine Strecke. Ich hätte gern gehabt, dass er auch die 400 m Freistil schwimmt, aber der Deutsche Schwimmverband hatte etwas dagegen“, sagt Hells Trainer Lange.

Das zeigt, wie ernst der Deutsche Schwimmverband (DSV) diese EM nimmt. Sie ist eine Durchgangsstation, ein Formtest in der Olympiavorbereitung, mehr nicht. Auch DSV-Cheftrainer Ralf Beckmann erwartet in Madrid keine Spitzenresultate. Ihm ist viel wichtiger, wie seine Athleten einen Monat später bei der Olympia-Qualifikation in Berlin auftreten. Und genau darauf bereiten sich alle deutschen Spitzenschwimmer vor. Die meisten reisen deshalb erst gar nicht nach Madrid. Franziska van Almsick, Hannah Stockbauer, Antje Buschschulte, Thomas Rupprath, sie alle verzichten auf Madrid. Der Termin passt nicht in ihre Trainingspläne.

Nach Spanien reisen Schwimmer wie Hell oder Freistil-Spezialist Jens Thiele. Athleten, die bei Olympia nicht für Einzelmedaillen in Frage kommen. 42 Athleten sind im gesamten DSV-Kader von Madrid, die Becken-Schwimmer stellen gerade mal neun Athleten. Kleiner ist keine Einzelgruppe. Die Kunst- und Turmspringer schicken zwölf Athleten nach Madrid, darunter fast alle Topleute, die Synchronschwimmer reisen mit zehn Personen an, die Langstreckenschwimmer kommen auf elf Mitglieder. „Für uns ist der Termin ein bisschen blöd“, sagt Jens Thiele. Er tritt nur über 100 m Freistil an, „und da will ich ins Finale kommen, mehr nicht“. Auch Sandra Völker absolviert nur eine Strecke. Die 25-malige Europameisterin startet über 50 m Freistil. Sie will nach ihrem Trainerwechsel wissen, wie ihre Form ist.

Medaillen für den DSV wird es in Madrid wahrscheinlich im Kunst- und Turmspringen geben. Für die Trainingsplanung der Athleten ist die EM kein Störfaktor. Vor allem beim Synchronspringen hoffen die Deutschen auf Edelmetall. Im Einzelspringen haben Ditte Kotzian und Conny Schmalfuß vom Ein- und Drei-Meter-Brett die größten Medaillenchancen.

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