Sport : Paderborn will Berlin kapern

Bloß nicht mit der Bahn zum Spiel gegen Hertha

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Berlin - Am Mittwoch haben sie das mit dem Sonderzug abgesagt. Kamen einfach nicht genug Leute zusammen, insgesamt nur 170, es hätten schon knapp dreimal so viele sein müssen. Vielleicht aber wollten sie auch nur nicht den Hauptsponsor des Gegners alimentieren – wäre ja noch schöner, wenn die Deutsche Bahn von den Paderborner Tickets indirekt einen Stürmer für Hertha BSC finanziert (was allerdings erst zur kommenden Saison möglich wäre). Also fahren die Fans vom SC Paderborn lieber im Auto und in reichlich Bussen nach Berlin. Gut 3500 wollen am Sonntag ihre Mannschaft anfeuern. Sie reisen an mit dem Mut eines Außenseiters, er liegt nur einen Punkt hinter dem 1. FC Union, der vorgemacht hat, was bei einem Gastspiel im Olympiastadion alles möglich ist, theoretisch jedenfalls. Entsprechend selbstbewusst ist das Motto, das der Tabellendreizehnte der Zweiten Fußball-Bundesliga für den Ausflug nach Berlin gewählt hat: „Paderborn erobert die Hauptstadt!“

Gut 3500 Fans – das klingt erst einmal bescheiden angesichts der von Hertha erwarteten Traumkulisse von 70 000 Zuschauern, Trainer Markus Babbel hat sie sich vor der Saison gewünscht, als Symbol für die neue Zuneigung der Berliner zu Hertha BSC. Es ist dabei allerdings zu berücksichtigen, dass Paderborn im Zweitligaalltag auf einen Zuschauerschnitt von nicht mal 8000 pro Spiel kommt. Daraus folgert, dass annähernd jeder zweite Paderborner Fan am Sonntag dabei sein will, und das klingt schon sehr viel beeindruckender. Dazu appelliert Bürgermeister Heinz Paus an alle Paderborner im Berliner Exil, sie mögen ihren Heimatklub doch bitte unterstützen.

Verlässliches Zahlenmaterial über die Bevölkerungsströme zwischen Ostwestfalen und Berlin liegen nicht vor, aber Herthas Manager Michael Preetz darf wohl davon ausgehen, dass die überwiegende Mehrheit der Besucher am Sonntag nicht ins Stadion geht, um Edmond Kapllani, Markus Krösche und andere Paderborner Helden mal aus der Nähe zu sehen. „Der sich abzeichnende gute Besuch ist auch eine Bestätigung unserer Arbeit“, sagt Preetz. Sven Goldmann

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