• Pal Csernai revolutionierte die Bundesliga: Zum Tod des früheren Bayern- und Hertha-Trainers

Pal Csernai revolutionierte die Bundesliga : Zum Tod des früheren Bayern- und Hertha-Trainers

Der frühere Bayern- und Hertha-Trainer Pal Csernai ist am Sonntag im Alter von 80 Jahren nach langer Krankheit gestorben.

Sven Goldmann
Mal ohne Schal. Pal Csernai.
Mal ohne Schal. Pal Csernai.Foto: dpa

Es gab da auch dieses Missverständnis mit Berlin. Das war im Herbst 1990, als Hertha BSC die Bundesliga mal wieder von hinten anführte, daraufhin Trainer Werner Fuchs entließ und nach einer ganz großen Lösung suchte. Es kam: eine Lösung, die zu groß war für den Klub.

Es kam Pal Csernai.

Pal Csernai ist in der öffentlichen Wahrnehmung oft auf seinen Seidenschal reduziert worden und damit auf seine demonstrativ zur Schau getragene Eleganz, sie artete nicht selten in Arroganz aus. Das ist nicht ganz fair, denn der Ungar war in erster Linie ein exzellenter Fußballfachmann. Einer, der seine Spieler und Vorgesetzten auch intellektuell forderte. Das konnte nicht gut gehen in Berlin, mit einer zweitklassigen Mannschaft und drittklassigen Funktionären. Csernai blieb nur sechs Spiele lang. Er holte 5:7 Punkte und 6:8 Tore, was in einer auf die gesamte Saison hochgerechnetenTabelle zu zwei Relegationsspielen gegen den Zweitligadritten Stuttgarter Kickers gereicht hätte. Die reale Tabelle wies Hertha am Saisonende als abgeschlagenes Schlusslicht aus, aber da war Csernai längst wieder weg.

Berlin war seine letzte Station in der Bundesliga, die er mit revolutionären Ideen wie keiner vor ihm bereicherte. Csernais Patent war das nach ihm benannte Pal-System. Er war der Mann, der die Raumdeckung nach Deutschland brachte.

Ende der siebziger Jahre sah es nicht gut aus beim FC Bayern München. Franz Beckenbauer war vor Problemen mit dem Finanzamt nach New York geflüchtet, Uli Hoeneß musste nach einer Knieverletzung seine Karriere beenden und Sepp Maier nach einem Autounfall. Nach der Entlassung von Gyula Lorant durfte dessen Assistent Csernai die Mannschaft ein halbes Jahr als Übergangstrainer betreuen. Für die Zeit danach plante Präsident Wilhelm Neudecker mit Max Merkel, der den Bayern regelmäßig über den Boulevard mitteilen ließ, was er von ihnen hielt, nämlich nichts. Unter der Führung von Paul Breitner liefen die Spieler Sturm und setzten eine Weiterbeschäftigung von Csernai durch. Uli Hoeneß startete seine Karriere als Manager und es begann eine kaum für mögliche gehaltene Renaissance. Csernai brachte den Bayern die Raumdeckung bei, er führt sie 1980 und 1981 zur Meisterschaft, 1982 zum Pokalsieg und ins Finale um dem Europapokal der Landesmeister.

Die Beziehung hielt bis in den Frühling 1983, dann verkündete Breitner, dass knapp fünf Jahre Csernai genug seien. An die Münchner Erfolge hat Csernai nie wieder angeknüpft. Er tingelte durch ganz Europa und verarbeitete gerade ein missratenes Engagement in Bern, als der Anruf aus Berlin kam. Gleich zum Einstand trotzte er den alten Freunden vom FC Bayern ein 0:0 ab und feierte ein 4:1 in Nürnberg. Aber Csernais Ansprüche entsprachen nicht den Qualitäten der Mannschaft. Nach einer Rangelei im Training setzte er den Verkauf des Publikumslieblings Axel Kruse durch. Csernai redete kaum noch mit seinen Spielern und erst recht nicht mit den Herren vom Präsidium. Nach einem 0:3 in Karlsruhe war Schluss.

Pal Csernai verschwand grußlos aus Berlin und kehrte nie wieder in die Bundesliga zurück. Mit 63 Jahren beendete er seine Trainerkarriere und zog nach Budapest. Bis zuletzt schaute er immer mal wieder in München vorbei und plauderte mit Weggefährten wie Paul Breitner über die alten Zeiten. Am Sonntag ist Pal Csernai nach langer Krankheit im Alter von 80 Jahren gestorben.

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