Panik in der Höhe : Unions Fußballer trainieren in Oberhof

Unions Fußballer bereiten sich auf die neue Saison vor - Angstgefühle inbegriffen, denn das Klettern an Stämmen und Seilen war Bestandteil des Lauftrainingslagers in Oberhof.

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Karim Benyamina und Kenan Sahin war die Angst anzusehen. Die Angreifer des Fußball-Zweitligisten 1. FC Union Berlin trugen im Hochseilgarten von Oberhof einen Helm, waren angegurtet und wurden von mehreren am Boden stehenden Mitspielern mit einem Seil gesichert. Dennoch hatten die Kicker auf der Wippe in acht Metern Höhe zeitweise Panik. „Einige Spieler hatten Riesenbammel. Von unten sieht das nicht so hoch aus wie von oben“, sagte Trainer Uwe Neuhaus, der das Abenteuer der Spieler im Hochseilgarten als teambildende Maßnahme ansah.

Natürlich gab’s ein paar lockere Kommentare von Profis, weil ihre Kollegen oben nicht immer souverän wirkten. In dem beschaulichen 1500-Einwohner-Städtchen, das um diese Jahreszeit fast ausschließlich von Rentnern besucht wird, dürfte sich mancher Besucher über das Gejohle gewundert haben.

Das Klettern an Stämmen und Seilen war Bestandteil des Lauftrainingslagers in Oberhof, wo sich die Mannschaft seit Dienstag aufhält. Zu den 26 Spielern zählten auch die vier Neuzugänge: Stürmer Halil Savran von Drittligist Dynamo Dresden, Torhüter Marcel Höttecke von Drittligaabsteiger Borussia Dortmund II, Ahmed Madouni vom französischen Zweitligisten Clermont Foot und Jerome Polenz vom Zweitligisten Alemannia Aachen. Die Fußballer werden bis zum heutigen Sonntag in Thüringen vor allem konditionell gedrillt. Die „Tortur de Oberhof“ endet mit 50 Kilometer Radfahren.

Der Ball wurde nur bei einem Training auf der Anlage des Sporthotels gebraucht. Ausgedehnte Läufe und Radtouren auf der Biathlon-Strecke von Oberhof oder sogar das mehrfache Erklimmen der fast 700 Stufen zur Schanze am Kanzlersgrund gehörten zum Tagesprogramm. „Es ist quälend, aber abwechslungsreich“, sagte Mittelfeldspieler Torsten Mattuschka. „Ich vermisse den Ball nicht. Wir haben uns sehr lange mit dem Gedanken beschäftigt, eine andere Form der Vorbereitung zu wählen“, sagte Neuhaus. Ein Grund dafür ist die diesmal sehr lange Sommerpause. Union leistet sich sogar den Luxus, seinem kickenden Personal in der kommenden Woche noch einmal freizugeben. Allerdings sind die Akteure schon vor Oberhof mit einem Laufprogramm während des Urlaubs in Vorleistung gegangen.

Wenn ab 12. Juli der Ball wieder im Vordergrund steht, dann hofft Neuhaus, dass er nach dieser Vorbereitung weniger Verletzte hat, als wenn er schon früh mit dem Ball hätte trainieren lassen. Momentan hat nur Mittelfeldspieler Michael Parensen Knieprobleme, die jedoch aus der vergangenen Saison stammen.

Hinsichtlich des Saisonziels hält sich Union fast schon traditionell bedeckt. Noch gibt es offiziell gar keins. „Das benennen wir, wenn der Kader komplett ist“, sagte Neuhaus. Finanziell ist Unions Rahmen jedoch sehr eng. Einen Akteur wollen die Köpenicker dennoch auf jeden Fall noch verpflichten. Die Rede ist von einem Spielgestalter. „Die Position von Hüzeyfe Dogan ist noch nicht besetzt“, sagte Neuhaus. Dogan, der keinen neuen Vertrag erhielt, trug in den vergangenen beiden Jahren die Nummer zehn in Köpenick. Die ist bislang an keinen Spieler vergeben worden, der schon zum Aufgebot gehört.

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