Sport : Pantelic darf jubeln

Der Stürmer erzielt für Hertha das entscheidende Tor zum 1:0 gegen Bielefeld

Sven Goldmann

Berlin - Wenn Marko Pantelic ein Tor schießt, dann jubelt er nicht nur. Er inszeniert sich. Das ist vor zwei Woche ein bisschen danebengegangen, als Herthas Serbe kurz vor Schluss das 2:3 gegen den 1. FC Köln schoss und bei seiner anschließenden Inszenierung ignorierte, dass die Zeit gegen Hertha BSC lief. Hertha verlor 2:4 und Pantelic stand da als charakterloser Egoist, der seinen Erfolg über den der Mannschaft stellte. Gestern, beim 1:0 (0:0)-Sieg über Arminia Bielefeld, sah das ganz anders aus. Wieder schoss Pantelic ein Tor, wieder ließ er sich beim Feiern Zeit, aber diesmal drängte niemand zur Eile. Pantelic wollte gar nicht mehr raus aus der Ostkurve des Olympiastadions, wo die treuesten Hertha-Fans unter den gestern 33 000 Zuschauern standen. Immer wieder zerrte er am Stoff seines blau-weißen Leibchens und hielt es in Richtung Publikum. Für den wahrscheinlichen Fall, dass Pantelic keinen privaten Werbevertrag mit dem Trikotsponsor hat, sollte das wohl bedeuten: Seht her, Fans, das ist mein Verein! Wenn ich gewinne, gewinne ich für euch!

Eine gute Minute lang dauerte die Privatparty des Marko Pantelic, bis Kevin Boateng ihn zurück auf den Rasen holte. Hertha hat schon schöner und besser gespielt in dieser Saison, aber selten war ein Sieg so wichtig wie dieser über die destruktiven Bielefelder. Ohne diese drei Punkte wäre das 3:0 in der Vorwoche bei Werder Bremen nicht mehr gewesen als ein Achtungserfolg. Jetzt steht er vielleicht für den Beginn der Wende in einer Saison, die sich vor kurzem noch in Richtung Desaster entwickelte. Die Berliner sind wieder dabei im Rennen um einen Platz im Uefa-Pokal, allein die schlechtere Tordifferenz trennt sie noch vom Tabellenfünften VfB Stuttgart. Davon aber mochte Falko Götz nicht reden. Die Misserfolge der vorherigen Wochen haben den Berliner Trainer misstrauisch gemacht. „Es macht jetzt keinen Sinn, über den Uefa-Cup zu reden“, sagte Götz. „Zwei Siege sind eine schöne Sache, aber noch keine Serie.“

Für die Berliner Kritikfähigkeit spricht auch, dass der Mittelfeldlenker Yildiray Bastürk erst einmal darauf verwies, „dass es heute kein gutes Spiel war“. Zu einem guten Spiel gehören zwei Mannschaften. Bielefeld war gestern weit entfernt von dem Anspruch, den guten Leistungen daheim auswärts eine sehenswerte Vorstellung folgen zu lassen. „Ich weiß auch nicht woran das liegt, dass wir auswärts immer der Musik hinterherlaufen“, sinnierte Trainer Thomas von Heesen. Herthas Abwehr kam nie richtig in Verlegenheit. Arne Friedrich, angeschlagen ins Spiel gegangen, durfte sich ein wenig aufwärmen für das Länderspiel am Mittwoch in Dortmund gegen die USA.

Hertha dominierte das Spiel von der ersten bis zur letzten Minute, aber für Dominanz allein gibt es keine Punkte. Weil nach einer Bauernweisheit ein Torschuss immer ein potenzielles Tor ist und ein Pass ein potenzieller Fehlpass, kam Hertha nicht ins Spiel. Denn es gab gestern viele Fehlpässe und kaum Torschüsse. Allein Oliver Schröder und Kevin Boateng versuchten es aus der Distanz. Die anderen, allen voran Bastürk und Marcelinho, trennten sich immer wieder zu spät vom Ball. Hertha war leicht auszurechnen.

Das Tor des Abends entsprang nach einer Stunde Spielzeit auch mehr einem Zufall als geplanter Fußballkunst. Sofian Chaheds Flankenball aus halbrechter Position flatterte hoch und ziellos in den Bielefelder Strafraum. Pantelic, umringt von zwei Gegenspielern, sprang im richtigen Augenblick ab und drückte den Ball mit der Stirn in die rechte Ecke. Es war das siebte Saisontor des serbischen Stürmers, dem sie in Berlin oft vorwerfen, dass er allzu viel mit dem rechten Fuß macht und den linken nur zum Erhalten des Gleichgewichts einsetzt. Dieses Problem stellt sich beim Kopfball nicht. „Das war ein wichtiges Tor für Hertha, aber am wichtigsten war es für Marko“, befand Trainer Götz. Pantelic kämpft immer noch darum, dass Hertha seinen nach dieser Saison auslaufenden Vertrag verlängert. „Tore sind immer ein gutes Argument für einen Stürmer“, sagte Falko Götz. „Aber wir haben uns noch nicht entschieden, ob Marko bei uns bleiben wird.“

Pantelic machte nach dem Schlusspfiff Sympathiewerbung in eigener Sache. Vor zwei Wochen hatte er nach dem Schlusspfiff noch ganz allein seine zwei Tore gefeiert, was angesichts der Niederlage gegen Köln etwas deplatziert wirkte. Gestern, als die müden Berliner schon Richtung Kabine trotteten, war es Pantelic, der die Mannschaft dazu überredete, den Sieg mit den Fans in der Kurve zu feiern. So viel Elan nach einem sonst eher langweiligen Fußballabend konnte nicht ohne Folgen bleiben. Marko Pantelic musste nach dem Spiel zur Dopingkontrolle.

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