Paralympics 2012 : Die Helden von London

Sie starteten trotz Unfall, schliefen einfach ein oder besiegten ihr Schicksal. Diese Paralympioniken haben sich einen Platz in unserer Ehrengalerie verdient.

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Wachablösung: Mit der 4x100-Meter-Staffel gewann Oscar Pistorius (l.) noch vor seinem Kontrahenten Alan Oliveira aus Brasilien. Im 200-Meter-Einzelrennen siegte hingegen Oliveira. Favorit Pistorius beschwerte sich anschließend über Oliveiras zu lange Stelzen: "Es war lächerlich. Das hier war kein faires Rennen." Inzwischen läuft gegen den einstigen Topstar in Südafrika aber ein Gerichtsverfahren - Pistorius soll seine Freundin ermordet haben.Alle Bilder anzeigen
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10.09.2012 12:18Wachablösung: Mit der 4x100-Meter-Staffel gewann Oscar Pistorius (l.) noch vor seinem Kontrahenten Alan Oliveira aus Brasilien. Im...

Die Athleten haben geschwitzt und zum Himmel gefleht. Sie haben mitunter ihre notdürftig geklebten Prothesen und Sportrollstühle noch schnell in der Werkstatt reparieren lassen. Und dann sind sie zum Beispiel in die North Greenwich Arena oder ins Excel-Center eingezogen – und waren überwältigt, als sie vom Jubel zehntausender Fans empfangen wurden. Auch eine Herausforderung, denn die meisten der mehr als 4200 Teilnehmer der 14. Paralympics treten sonst vor viel weniger Publikum an. In London haben ihnen allein in den Stadien und an der Strecke 4,5 Millionen Menschen zugejubelt.

Da gab es viele Helden. Einer von ihnen heißt Hans-Peter Durst. Er war 1994 im Auto von einem Lkw erfasst worden und leidet seitdem an Gleichgewichtsstörungen. Und jetzt rast ein alkoholisierter Radfahrer drei Wochen vor den Spielen in das Sportdreirad des Dortmunders. Dem 54-Jährigen wird der Daumen rausgerissen, am rechten Arm erleidet er einen dreifachen Bruch. Durst muss ins Krankenhaus. Egal, Paralympioniken wirft so leicht nichts aus der Bahn. Hans-Peter Durst holt mit Stützverbänden an beiden Armen im Einzelzeitfahren über 7,6 Kilometer Silber und bleibt noch vor seinem ewigen Kontrahenten, dem Briten David Stone.

Die Autorennstrecke Brands Hatch in Kent ist so steil, schräg und kurvig, dass manche aussteigen und schieben müssen. Dem querschnittgelähmten Vico Merklein geht da in seinem Handbike der Puls, als er mit angebrochenem, getaptem Rahmen „mit sechzig Sachen auf die 90-Grad-Kurve“ zurast. Der Hesse holt trotzdem Silber im Straßenrennen. Wie er hat Jacqueline Freney aus Australien allen Grund zum Feiern. Die Studentin vom Schwimmclub Richmond Valley erlebt im Aquatic Center gleich acht Mal, wie in der ausverkauften Halle mit den steil in die Höhe ansteigenen Sitzreihen die Flagge hochgezogen wird. Achtmal Gold. „Diejenigen von Ihnen, die aufstehen können, bitten wir, sich von den Sitzen zu erheben“, sagt der Hallensprecher. Er ist ein Held der Einfühlsamkeit.

Bildergalerie: Die Abschlussfeier der Paralympics 2012

Abschlussfeier der Paralympics in London
Das paralympische Feuer im Londoner Olympiastadion, wo die Abschlussfeier stattfand. Der britische Premierminister David Cameron würdigte zu Beginn der Feier die Leistungen der „übermenschlichen“ Athleten. „Wir werden uns für alle Zeiten an diesen Sommer erinnern“, sagte der Regierungschef. Er hatte selbst einen schwerbehinderten Sohn, der 2009 starb.Alle Bilder anzeigen
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09.09.2012 22:45Das paralympische Feuer im Londoner Olympiastadion, wo die Abschlussfeier stattfand. Der britische Premierminister David Cameron...

Die links oberschenkelamputierte Natalie du Toit ist Teamkollegin des Südafrikaners Oscar Pistorius, der bei seinem finalen 400-Meter-Lauf am Samstagabend erleichtert, mit ausgestreckten Armen und paralympischem Rekord als Erster mit weitem Abstand über die 400 Meter ins Ziel läuft. Wie er hat auch du Toit bei Olympia mitgemacht. Bei den Paralympics liegt du Toit nach Leistung vor Pistorius: Sie holt dreimal Gold und einmal Silber, er zweimal Gold (Staffel und 400 Meter) und einmal Silber (200 Meter).

Über die 200 Meter der Klasse T44 stakst der 20-jährige Alan Fonteles Cardoso Oliveira mit seinen hohen Karbonstelzen vor dem Favoriten Pistorius ins Ziel und liegt über 200 Meter in 21,45 Sekunden knapp vorn. Seitdem ist der Nachwuchsathlet, der ebenfalls keine Beine hat, in seiner Heimat Brasilien, dem Ausrichterland von Paralympia und Olympia 2016, ein Held. Die Dritte im Bunde der bei beiden Spielen vertretenen Athleten ist Natalia Partyka, ohne rechten Unterarm geboren, die in Polen für je einmal Gold und Bronze gefeiert wird.

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