Paralympics : Anna Schaffelhuber: Der Druck fährt immer mit

Mono-Ski-Fahrerin Anna Schaffelhuber geht die alpine Ski-WM so konzentriert an wie die Paralympics.

Ihr Jahr. 2014 in Sotschi gewann Schaffelhuber fünfmal Gold.
Ihr Jahr. 2014 in Sotschi gewann Schaffelhuber fünfmal Gold.Foto: picture alliance / dpa

Anna Schaffelhuber ist ganz schön rumgekommen in den vergangenen Wochen. Am Mittwoch beginn die Weltmeisterschaft der paralympischen Skifahrer in Tarvisio, die Reise nach Italien steht am vorläufigen Ende einer Tour durch die Alpen. Vom Abfahrts-Weltcup im österreichischen Innerkrems ging es für die Mono-Ski-Fahrerin aus Regensburg weiter ins slowenische Kranjska Gora, von dort am Freitag über die Grenze nach Italien. Am Wochenende stand Regeneration an, am Montag und Dienstag Abfahrtstraining. Heute fällt die erste Entscheidung in der Abfahrt. Am Donnerstag, Schaffelhubers 24. Geburtstag, geht es weiter mit dem Super-G, am Samstag mit der Kombination, am Montag und Dienstag folgen dann Riesenslalom und Slalom.

"Es ist immer ein gefundenes Fressen, wenn jemand vor mir landet"

Bei den Paralympics in Sotschi gewann Anna Schaffelhuber 2014 fünfmal Gold und wurde folgerichtig zur Weltbehindertensportlerin gewählt. Seitdem sind die Erwartungen an sie immens. „Das muss man nicht wegdiskutieren“, sagt Schaffelhuber. „Dabei habe ich eigentlich nur die Sotschi-Saison dominiert, sonst eigentlich nie so richtig.“

Schaffelhuber ist die vielseitigste Fahrerin im Weltcup. Die Österreicherin Claudia Lösch ist ihre größte Gefahr in den Speed-Disziplinen. In den technischen Disziplinen ist die schärfste Konkurrentin Anna-Lena Forster aus Radolfzell. „Eigentlich sind wir alle relativ nah beieinander“, sagt Anna Schaffelhuber. In Innerkrems lief es für sie nicht nach Plan. Zweimal fuhr Claudia Lösch auf Platz eins, in der Kombination blieb Anna Schaffelhuber nach einem Fehler nur Rang fünf. In Slowenien hingegen wurde sie zweimal Erste in Slalom und Riesenslalom und im abschließenden Torlauf-Wettbewerb dann noch mal Zweite hinter Anna-Lena Forster, die im vergangenen Jahr immerhin den Gesamtweltcup gewinnen konnte. „Es ist immer ein gefundenes Fressen, wenn jemand im Weltcup vor mir landet“, sagt Anna Schaffelhuber. „Auch wenn es sich blöd anhört: Es ist schwieriger, sich an der Spitze zu halten, als nach oben zu kommen.“ In Sotschi sei sie die Favoritin gewesen, „und das war auch gut so. Aber der Druck war immer da und fühlt sich nicht gut an. Diese Riesenerwartung auszublenden gelingt mir mal mehr, mal weniger.“

Allein im Sommer schrieb sie elf Klausuren

Nach ihren großen Erfolgen im Jahr 2014 suchte sie Abstand vom Skifahren. Die 23-Jährige nutzte die Zeit, um sich über ihre berufliche Zukunft klarer zu werden. Bis vor eineinhalb Jahren studierte sie an der Technischen Universität München noch Jura, dann wechselte sie in den Lehramts-Studiengang. Allein im Sommer schrieb sie elf Klausuren, jetzt im Februar wartet das erste Staatsexamen. Ein Urlaubssemester, wie sie es vor Sotschi noch genommen hatte, plant sie noch nicht. Das raubt Freizeit. „Die Doppelbelastung macht regenerative Zeit extrem rar“, sagt sie, „aber ich habe jetzt in letzter Zeit an der Uni extra viel gemacht und will im Sommer auch einiges schaffen“, damit sie sich vor den Paralympics im kommenden Winter in Pyeongchang in Südkorea nicht überbelasten muss.“

In der vergangenen Saison hatte sie ihr sportliches Engagement zurückgeschraubt. Anna Schaffelhuber fuhr nur bei wenigen Weltcups, die sie aber allesamt gewann. Im Frühjahr 2016 kehrte sie ins Training zurück und geht die WM jetzt an, als wären es die Paralympics. Wie viele Goldmedaillen zu ihren bislang sechs WM-Titeln hinzukommen, lässt sie offen. „Ich will gescheite Leistungen abliefern“, sagt sie. „Natürlich habe ich das Ziel, immer ganz nach vorne zu fahren. Wie oft es klappt, wird man sehen.“

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