Paralympics : Erste Medaillen für deutsche Athleten

Bei den Paralympics hat das deutsche Team bereits am ersten Wettkampftag den Medaillen-Reigen eröffnet. Bittere Tränen gab es allerdings beim Biathlon.

Turin - Mit einem glänzenden Comeback hat die 50-jährige Reinhild Möller den Medaillen-Reigen des deutschen Paralympics-Team eröffnet, ehe Gerd Schönfelder unmittelbar nach ihr auf der Abfahrts-Piste von Sestriere das erste Gold einfuhr. Nur 20 Minuten nach Beginn der Wettkämpfe holte die alpine Skirennläuferin aus Neuenstein/Hessen am Samstag mit Silber die erste Medaille. Die erste dicke Überraschung gelang dem deutschen Schlitten-Eishockey-Team: Der Europameister bezwang bei seiner Premiere zum Auftakt der Vorrundengruppe B den Paralympics-Sieger USA mit 2:1.

Die am linken Unterschenkel amputierte Möller war 1998 in Nagano nach insgesamt 16 Gold-Medaillen bei Sommer- und Winter-Paralympics zurückgetreten und feierte nun eine wohl einmalige Rückkehr: «Ich bin überglücklich, Silber war heute Gold wert. Da ist natürlich die Erfahrung, die da mitspielt. Das Comeback hat einiges an Kraft gekostet, man muss natürlich einen Wettlauf mit dem Alter machen. Doch bei mir ist alles aufs i-Tüpfelchen gut gelaufen», sagte Möller, die in Seoul 1988 schon Gold im 200 Meter-Sprint gewann.

«Goldhamster» Schönfelder, der sein 11. Gold in den alpinen Disziplinen einfuhr, war sichtlich erleichtert: «Ich fühle mich einfach geil, da schon ein gewisser Druck da war. Ich hatte mir einen möglichst guten Start vorgenommen. Mein Ziel war einmal Gold, damit ich bei jeden Paralympics, wo ich am Start war, mindestens einmal Gold habe. Jetzt schaun mer mal was kommt, jetzt ist eh alles Zugabe.» Nach der Reduzierung der Start-Klassen und der Einführung des neuen Prozentsystems hat der erneute Sieg einen höheren Stellenwert: «Die Konkurrenz hat sich mehr oder weniger vervierfacht. Früher gab es für die gleiche Starterzahl zwölf Goldmedaillen, jetzt nur noch drei. Daher stufe ich das Gold viel höher ein.»

Bittere Tränen in Anwesenheit von Bundespräsident Horst Köhler flossen beim Auftakt der Biathleten in Pragelato. Die als Favoritin über die 12,5 km-Distanz gestartete blinde Verena Bentele aus Tettnang verpasste mit neun Schießfehlern um 3:29,0 Minuten die angepeilte Gold-Medaille und weinte als Dritte im Zielauslauf in den Armen ihres Begleitläufers Franz Lankes bitterlich über ihren verpassten sechsten Paralympics-Erfolg seit 1998. «Ich ärgere mich natürlich wegen der Schießleistung. Mit meiner Laufleistung war ich zufrieden. Am Ende kann ich aber mit einer Medaille im ersten Rennen leben», sagte Bentele.

Auch Wilhelm Brem aus Ketterschwang, der vor vier Jahren in Salt Lake City das erste deutsche Gold gewann, musste sich in der Blinden-Klasse nach fünf Schießfehlern mit Bronze zufrieden geben: «Am liebsten hätte ich schon nach den ersten drei Fehlern beim ersten Schießen meine Ski in die Ecke geschmissen.» Beim «Fahrkarten- Festival» beteiligte sich in der stehenden Klasse auch der am rechten Arm gelähmte Thomas Oelsner aus Oberhof mit acht Fehlern. Am Ende landete der 35-Jährige, der seine in Salt Lake City gewonnene Gold-Medaille wegen einer positiven Dopingprobe zurückgeben musste, auf Platz 14. Der contergangeschädigte Josef Giesen aus Herzlake, 2002 nachträglich für Oelsner zum Sieger ernannt, wurde Achter. (Von Frank Kastner, dpa)

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