Paralympics : Franziska Liebhardt: Schnellkraft mit Herz

Im Kugelstoßen und im Weitsprung hat Franziska Liebhardt in Rio mehrere Ziele - dank einer Organspende.

Nico Faisst
Franziska Liebhardt.
Franziska Liebhardt.Foto: imago/Beautiful Sports

Wenn Franziska Liebhardt nach Rio de Janeiro zu ihren ersten Paralympics fliegt, hat sie zwei Ziele, die sie in dieser Reihenfolge nennt: „Nichtsportlich gesehen möchte ich die erhöhte Aufmerksamkeit nutzen, um zu zeigen, was man dank einer Organspende erreichen kann. Sportlich gesehen möchte ich in beiden Disziplinen unter die Top fünf kommen, vielleicht auch eine Medaille, am besten mit persönlicher Bestleistung.“

Beide Disziplinen, das sind das Kugelstoßen und der Weitsprung, eine ungewöhnliche Kombination. Alles mit Schnellkraft kann die Leverkusenerin gut, alles mit Technik macht ihr Spaß. Wäre der Siebenkampf paralympisch, die 34-Jährige wäre eine Kandidatin für die vorderen Plätze. Auch wenn sie befürchtet, dass bei den Paralympics noch weniger Zuschauer sein könnten als bei Olympia, freut sie sich auf ihre ersten Spiele: „Die Brasilianer scheinen ein gut gelauntes Völkchen zu sein. Ich war noch nie in Südamerika, das werden bestimmt spannende Begegnungen.“ Die Medienanfragen seien mehr geworden, die Kinderphysiotherapeutin will das Interesse an ihrer Person nutzen, um auf ihre Herzenssache hinzuweisen, für die sie sich seit einigen Jahren einsetzt: Organspende. 2005 wurde eine Autoimmunerkrankung bei ihr diagnostiziert, eine Nieren- und eine Lungentransplantation ermöglichten es ihr, weiterzuleben.

Weil sie für andere Sportlerinnen, die eine Organtransplantation hatten, zu gut war, suchte sie den Wettkampf bei den Paralympics. Das ging, weil ihre rechte Körperhälfte durch einen Schlaganfall teils spastisch gelähmt ist. „Deshalb nennen mich in der Trainingsgruppe alle Dinosaurierhand, aber natürlich nett gemeint“, sagt Liebhardt und lacht. „Ich möchte das gar nicht groß aufbauschen. Aber das Bild der Organspende ist nicht so positiv behaftet in Deutschland, dem möchte ich entgegenwirken. Wenn nur zehn Leute einen Spenderausweis ausfüllen, hat sich das schon gelohnt, da denke ich in kleinen Schritten.“

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