Paralympics : Im Schatten der Profis

Die Paralympics in Peking sind vorbei - die sportliche Bilanz des deutschen Teams fällt mager aus.

Annette Kögel,Benedikt Voigt[Peking]
Abschlußfeier
Auf Wiedersehen, weite Welt. Die Paralympics gingen mit einer pompösen Feier im Pekinger Olympiastadion zu Ende. -Foto: dpa

Harald Wimmer ist froh, dass es vorbei ist. Der paralympische Ruderer sitzt um kurz vor Mitternacht in seinem Rollstuhl im deutschen Klub und sagt: „Es war schon ein bisschen hart in den letzten Wochen, andere sind in meinem Alter schon im Altersheim.“ Der pensionierte Polizist ist mit 68 Jahren der älteste deutsche Teilnehmer bei den Paralympischen Spielen gewesen. Weshalb er mit seinem dritten Platz im B-Finale im TA-Mixed-Doppelzweier mit Sieglind Köhler durchaus zufrieden sein konnte. Für das Gewinnen von Medaillen waren die Jüngeren zuständig.

Diese aber schnitten bei den Paralympischen Spielen, die gestern in Peking mit einer spektakulären Schlussfeier zu Ende gegangen sind, nicht so erfolgreich ab wie erhofft. Mit 14 Goldmedaillen landete die deutsche Mannschaft im Medaillenspiegel nur auf Platz elf. Vor vier Jahren in Athen hatte das deutsche Team mit 19 Goldmedaillen noch Rang acht belegt. Der deutsche Chef de Mission, Karl Quade, sagte: „Das sportliche Abschneiden ist in Ordnung, was die Gesamtbilanz betrifft, ist sie auch so, wie ich es erwartet habe.“ Insgesamt gewannen deutsche Sportler 59 Medaillen, was Rang sieben bedeutete. Sieht man einmal von Harald Wimmer ab, ist die deutsche Mannschaft in Peking stark verjüngt angetreten. Quade sagt: „Die Jungen haben noch nicht den Sprung nach ganz vorne geschafft, das wird in London anders sein.“

China führt wie auch bei den Olympischen Spielen mit 89 Goldmedaillen die Medaillenwertung an. Die zahlreichen Medaillen für China und das zweitplatzierte Großbritannien sind Ausdruck einer größeren Professionalisierung in diesen Ländern. „Da kommen wir im Moment nicht mit“, sagt Karl Quade, „China hat ein Riesenpotenzial, und Großbritannien hat enorme Finanzmittel, die meisten Athleten sind dort Profis.“ Die Professionalisierung brachte bei den Paralympics eine enorme Steigerung des Niveaus mit sich. Zum Beispiel in der Leichtathletik. „Manche Leistungen hatten das Niveau eines Endlaufes bei der Deutschen Meisterschaft des Deutschen Leichtathletik-Verbandes“, sagte Karl Quade. Für seinen Verband gelte es, nicht den Anschluss zu verlieren. „Wir müssen den Vergleich mit den Nichtbehinderten suchen.“ Das sei etwa im Tischtennis nichts Neues. „Ein Tischtennisspieler der Schadensklasse zehn muss Bundesliga oder zumindest Regionalliga spielen“, sagt er.

Im Schwimmen wolle er nun die Kooperation mit dem Deutschen Schwimmverband suchen. Der Deutsche Behindertensportbund (DBS) hat zuletzt in Ute Schinkitz eine Trainerin angestellt, die aus dem DSV kommt und dort mit Steve Theloke zusammengearbeitet hat. „Wir erhoffen uns dadurch, dass wir besser ins Geschäft mit dem DSV reinkommen, auch was Wettkämpfe betrifft“, sagt Quade. Sein Verband stellt in diesem Jahr erstmals vier hauptamtliche Trainer ein. „Aber es ist gar nicht so einfach, hauptamtliches Personal zu rekrutieren“, hat der Chef de Mission festgestellt. Der Etat des DBS liegt nach Angaben von Bundessportminister Wolfgang Schäuble (CDU) in diesem Jahr bei 5,2 Millionen Euro, darin sind auch die Entsendekosten für das deutsche Paralympics-Team enthalten.

Mit der Leichtathletin Marianne Buggenhagen und dem Tischtennisspieler Rainer Schmidt beenden zwei verdiente deutsche paralympische Athleten ihre Karrieren. „Das ist bedauerlich, aber das kann man nicht ändern“, sagte Karl Quade. Doch nicht jeder macht Schluss. „Ich werde noch ein Jahr dranhängen“, verspricht Harald Wimmer, „wenn sie keinen Jüngeren finden sollten.“

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