Paralympics in Rio 2016 : Aus dem Programm gesegelt

Das Internationale Paralympische Komitee streicht für Tokio 2020 zwei Sportarten – weil sie angeblich zu wenig verbreitet sind.

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Flaute. Segeln wird in Rio zum letzten Mal als paralympische Disziplin dabei sein.
Flaute. Segeln wird in Rio zum letzten Mal als paralympische Disziplin dabei sein.Foto: dpa

Wenn der aktuelle Weltmeister Heiko Kröger über seine Sportart spricht, dann ist der Mann aus Schleswig-Holstein mit viel Emotionalität dabei. In Rio de Janeiro hat Kröger schon mal kräftig über die Qualität der Regattastrecke gemotzt, ja sogar im Vorfeld einen Film ins Netz gestellt, der die Verschmutzung abbildete. So etwas wird er allerdings künftig wohl nicht mehr machen, um die Umwelt bei den Paralympics müssen sich künftig andere Sorgen.

Kröger wird in vier Jahren in Tokio nicht am Start sein. Nicht etwa aus Altersgründen, er ist immerhin schon 50 Jahre alt, sondern weil das Internationale Paralympische Komitee (IPC) Segeln für 2020 aus dem Kalender gestrichen hat. Für Kröger ein Unding, er sagt: „Da hat das IPC mit dem Hintern umgestoßen, was wir mit den Händen errichtet haben.“

In Rio wird noch bis Sonnabend weiter gesegelt, Kröger (nach acht von elf Rennen liegt er in seiner Klasse auf Rang sechs) war am Donnerstag im Einsatz. Am Wochenende dann werden nicht nur die Spiele von Rio Geschichte sein, sondern auch das Kapitel Segeln bei den Paralmypics. Das IPC hat alle drei Bootsklassen mit ihren sieben Klassifizierungen gestrichen – macht also 21 Wettbewerbe weniger.

In Japan gibt es dann nur noch 22 paralympische Sportarten, neben dem Segeln wurde eine weitere Sportart gestrichen: „7-a-Side“, die Fußballdisziplin mit sieben Spielern pro Team. In Brasilien ein Hit beim Publikum, auch wenn das Heimteam nun vom Iran im Halbfinale kräftig vermöbelt wurde (0:5).

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Beim Radrennen schauten mehr Soldaten als Fans zu

In einer IPC-Erklärung heißt es zu der Entscheidung im Falle der Segler, der Segelsport hätte einige grundsätzliche Kriterien für paralympische Sportarten nicht erfüllt. Es mangele ihm vor allem an internationaler Verbreitung. Das allerdings lässt sich bei den Spielen in Rio de Janeiro nicht belegen, Kröger etwa ist in seiner Klasse einer von 16 Teilnehmern, und die kommen aus 15 verschiedenen Ländern.

Dass – wie schon in anderen paralympischen Sportarten vorgekommen, besonders im Skifahren bei den Winterspielen – nur vier oder fünf Starter um drei Medaillen ringen, ist beim Segeln nicht der Fall, beim 7-a-Side-Fußball schon eher.

Medial betrachtet segelt Heiko Krögers Sportart allerdings schon in Rio in der zweiten Klasse, die Veranstalter produzierten in Brasilien keine Fernsehbilder. Wie in Rio gesegelt wird, sieht daher kaum jemand. Kröger findet es schade, weil Segeln „die inklusivste Sportart“ sei. Segler mit Behinderung segelten auf dem Niveau der olympischen Segler, sagt Kröger, der ohne linken Unterarm zur Welt kam. Zum Teil treten Segler mit Behinderung und Nichtbehinderte schon in den selben Wettbewerben an.

Der Verdacht im Falle der Segler liegt nahe, dass der Wettbewerb eben wohl vor allem Kosten verursacht und kaum Zuschauer anziehen kann. Das Problem haben in Rio – trotz Meldungen von Zuschauerrekorden – auch andere Sportarten.

Beim Radrennen etwa hätten die Athleten die Zuschauer am Mittwoch mit Handschlag begrüßen können, es schauten mehr Schwerbewaffnete Soldaten als Fans zu. Was aber nicht an der Qualität des Dargebotenen, sondern am brasilianischen Desinteresse lag.

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