Paralympics : Rolle vorwärts

Acht Schüler aus ganz Deutschland schreiben für den Tagesspiegel über die Paralympics. Jetzt wird dafür trainiert

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Sportlich, sportlich. Zum Paralympics-Workshop boten der Tagesspiegel und die Partneragentur Panta Rhei den Schülern ein volles...Foto: Heinrich/Wolff

Berlin - „Die Leute freuen sich schon unglaublich auf die Paralympics“, sagt der kanadische Botschafter Peter Boehm zu den Schülern im Tagesspiegel-Tagungsraum. „Unser Kartenkontingent für die Sledgehockeyspiele ist seit einem Jahr ausverkauft.“ Sledgehockey, das ist Eishockey im Sitzschlitten für Athleten mit Handicap, das wissen die acht Jugendlichen, die aus ganz Deutschland zum Workshop am Freitag und Sonnabend anlässlich der kanadischen Tagesspiegel-Paralympics-Zeitung nach Berlin gereist sind.

Bei dem Seminar ging es um mehr als die Wettkämpfe der 600 Athleten aus 45 Nationen vom 12. bis 21 März. Tagesspiegel-Chefredakteur Lorenz Maroldt warnte die Schülerredakteure augenzwinkernd, „dass jeder Rechtschreibfehler eine Million Mal gedruckt wird“ – zwei der fünf Ausgaben der mehrsprachigen Paralympics-Zeitung liegen als Beilagen der „Zeit“, dem „Handelsblatt“ und dem Tagesspiegel bei. Das Zeitungsprojekt wurde bei den Paralympics 2004 in Athen gestartet, ausgebaut in Turin 2006 sowie in Peking 2008. Jetzt sind „Phoenix“-Sendungen angedacht und das Unternehmen Otto Bock will das Sportblatt in der „Paralympics Lounge“ im Science Center am Potsdamer Platz auslegen, Wettkämpfe übertragen, live nach Kanada schalten. Die EU-Kommission verlieh dem Paralympics-Blatt den Europäischen Sprachenpreis; in China war es die erste westliche Zeitung ohne Zensur.

All das soll die Schreiber aber nicht verunsichern. Es kommt auf ihre Emotionen an, auf Authentizität. Robert Ide, Tagesspiegel-Sportchef, erzählte, dass viele Leser „besonders die gesellschaftliche Relevanz des Sports“ schätzen. Der Ressortleiter Berlin-Brandenburg des Tagesspiegels, Gerd Nowakowski, machte den Jugendlichen Mut zur eigenen Meinung. Artdirektorin Simone Kitzinger zeigte in ihrer Powerpoint-Präsentation, wie der Titelschriftzug dank der türkisen DIN–Typografie frisch und aktiv wirken soll.

Die Paralympics-Nationalmannschaftsmitglieder Christiane Reppe, Schwimmerin, und Leichtathletin Claudia Biene gaben gleich Interviews. Dann verfolgte die Gruppe die tägliche Redaktionskonferenz im Tagesspiegel, und der Geschäftsführende Redakteur Thomas Wurster hatte mit Chef-vom-Dienst-Kollege Claus Vetter eine Busfahrt mit Besichtigung des Druckhauses ins Spandau organisiert. Sowie den Besuch der Sportrehazentren des Unfallkrankenhauses Berlin. In Marzahn erlebten die Schüler mit, was die Klinken der Berufsgenossenschaften (BG) alles ermöglichen – als Förderer der Paralympics-Zeitung macht die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) das Medienprojekt des Tagesspiegels möglich.

So werden in Vancouver und Whistler auch Annemieke Overweg aus Uelzen, Raphael Menke aus Trier und Heiko Möckl aus Uhldingen-Mühlhofen am Bodensee Sledgehockey, Rollstuhlcurling, Ski alpin und nordisch verfolgen. Sie hatten die Anzeigen auch in der „Zeit“ und im „Spiegel“ zum Schreibwettbewerb des Tagesspiegels gesehen. „Ihre Reportagen waren großartig“, lobte Friedhelm Julius Beucher, Präsident des Deutschen Behindertensportverbandes. Tassilo Hummel aus Neckargemünd, selbst Basketballer, hatte sich dafür im Rollstuhlbasketball versucht. „Die Behinderungen waren gar kein Thema, wir haben sofort über die Aspekte des Leistungssports diskutiert“, sagte der 17-Jährige in der Vorstellungsrunde. Leonie Arzberger aus Haag an der Amper hatte eine Monoskifahrerin aus ihrer Heimat aufgespürt. „Total faszinierend, ich habe in meinem ganzen Leben noch nie einen größeren Optimisten getroffen.“ Die 18-jährige Bayerin war mit Zeitungsteamleiterin Karin Preugschat am Mittwoch beim Start der „BG-Tour“ auf der Zugspitze, dort gratulierte Olympia-Förderer Thomas Bach zum Start der „BG-Tour“, bei der Leistungssportler mit Handicap junge Leute nach Tumor-Amputationen oder Motorradunfällen in der Klinik als Vorbild Lebensmut vermitteln.

Für Anne Balzer aus Forst, Elisa Kremerskothen aus Kreuzberg und Franziska Ehlert aus Hennigsdorf gab es Infos per Google-Maps zum Flug via Amsterdam, zu Partnerschulen, Teamdress, Pressebussen, Tribandhandy, Verpflegungsgeld, Abendgarderobe… Und bitte ein Geschenk für die Gasteltern nicht vergessen.

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