Paralympics : Sitzvolleyballer auf Medaillenkurs

Die deutschen Sitzvolleyballer haben bei den Paralympics bislang überzeugt. In der Gruppenphase gelang in einem dramatischen Match ein Sieg gegen Russland. Nun scheint sogar eine Medaille möglich.

Maxi Borchert
Die deutsche Mannschaft bei ihrem 3:0-Sieg gegen Großbritannien.
Die deutsche Mannschaft bei ihrem 3:0-Sieg gegen Großbritannien.Foto: dapd

„Die Spiele hier in London sind wirklich der Wahnsinn,“ erzählt Jürgen Schrapp, der Mannschaftskapitän der deutschen Sitzvolleyballer. „Und die Eröffnungsfeier war Gänsehautfeeling pur. Das hat uns den nötigen Schub gegeben. Wir sind alle super drauf.“ Und das war in den vergangen Tagen deutlich zu spüren. Schon bei ihrem ersten Spiel gegen Marokko legte das Team einen grandiosen Start hin. Von Anfang an dominierten sie das Match, ließen der gegnerischen Abwehr keine Chance und kratzten fast jeden Ball aus dem Feld.

„Wir wussten, dass es ein hartes Spiele werde würde und haben unser Bestes gegeben. Auch wenn wir verloren haben, sind wir trotzdem mit uns zufrieden. Das deutsche Team ist eben sehr stark und kann sogar um eine Medaille mitspielen“,  sagte Karim Essaadi, ein Spieler von Marokko. Einen der vorderen Ränge zu belegen ist auch das Ziel der Deutschen, doch sie denken gleichzeitig von Spiel zu Spiel. „Marokko war zwar nicht der stärkste Gegner unsere Gruppe, aber dieser Sieg war trotzdem sehr wichtig. Wir haben konzentriert gespielt und das gibt der Mannschaft ein gutes Gefühl“, so Kapitän Jürgen Schrapp.

Am dritten Tag der Spiele trafen die Deutschen auf den stärksten Gruppengegner: Russland. Zuletzt hatten sie die routinierte Mannschaft im Mai geschlagen. Doch während der direkten Vorbereitung auf die Paralympics mussten die Deutschen einige Niederlagen einstecken. „Den Russen gegenüber sind wir eigentlich eine Amateurmannschaft. Die Mannschaft hat schon drei Paralympics und um die 1000 Länderspiele zusammen bestritten. Außerdem haben sie zu Hause die Möglichkeit fast täglich miteinander zu trainieren. Von solchen Bedingungen können wir nur träumen“, erklärt Trainer Rudi Sonnenbichler. Trotz dieser unterschiedlichen Voraussetzungen präsentierten sich die Deutschen wieder einmal auf Augenhöhe mit dem russischen Team und machten deutlich, welches Potenzial in ihnen steckt. 

Von Anfang an lieferten sich die Mannschaften gnadenlose Ballwechsel. Im ersten Satz konnten die Deutschen die Führung bis zur zweiten technischen Auszeit ausbauen und anschließend mit 25:18 gewinnen. Im zweiten Satz wurde es gleich zu Beginn wieder spannend, doch diesmal zogen die Russen nach und das Spiel der Deutschen brach zusammen, sodass sie mit 11:25 unterlagen. Von ihrem Tief ließen sie sich aber nicht länger beeinflussen und kehrten den Spieß wieder um. Mit einem 25:19-Sieg gingen sie nach dem dritten Satz vom Feld und hätten anschließend den Sack zumachen können. Doch der Krimi nahm seinen Lauf. Den vierten Satz gewannen wiederum die Russen deutlich mit 25:14 und es ging in den Tie-Break, der zur Zitterpartie für die deutschen Fans wurde. 

Die Russen gingen direkt mit 4:0 in Führung. Nach einer Auszeit von Trainer Rudi Sonnenbichler kämpfte die Deutschen wieder um jeden Punkt. Nach einer sensationellen Abwehr brachte ein erfolgreicher Block den Ausgleich mit 6:6. Russland nahm eine Auszeit, die das deutschen Team jedoch nicht aus dem Konzept brachten. Mit einer starken Aufschlagserie von Jürgen Schrapp gingen sie mit drei Punkten in Führung. Dann schlug sich Russland zurück ins Spiel und es stand wieder 11:11. Nach einem ständigen Hin und Her konnte Deutschland schließlich das Spiel für sich entscheiden und das Team war außer sich. Alle sprangen auf und warfen sich hinter dem Feld vor Freude aufeinander. 

„Zu Beginn des fünften Satzes dachte ich, wir verlieren das Ding“, sagte Trainer Rudi Sonnenbichler nach dem Spiel fassungslos. „Dass wir gewonnen haben, macht unseren Teamgeist deutlich. Die Jungs haben echt ein super Spiel geliefert.“ „Ich bin super stolz auf die Truppe“, ergänzte Jürgen Schrapp seinen Trainer nach dem Match. Nach diesem Triumph hatte sich das Team einen spielfreien Tag regelrecht verdient, doch zum Ausruhen blieb keine Zeit. Zwei Trainingseinheiten standen auf dem Programm, schließlich mussten sie sich auf den nächsten Gruppengegner vorbereiten.

Bei dem Spiel gegen Großbritannien war der Heimvorteil deutlich zu spüren, die Halle war brechend voll. Die Briten, die mit tosendem Jubel von ihren Fans unterstützt wurden, hatte jedoch keine Chance gegen die deutsche „Amateurmannschaft“. Das Team ließ zu keiner Zeit etwas anbrennen und ging als klarer Sieger vom Feld. „Es macht echt unheimlich Spaß bei dieser Stimmung zu spielen. Das pusht einen ungemein“, erzählt Christoph Herzog nach dem Spiel begeistert. Der nächste schwere Gegner heißt Ägypten. Hier muss die Mannschaft noch einmal alle Kräfte schüren um schließlich als Gruppensieger den Wettkampf fortzusetzen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar