Paralympics-Tagebuch (2) : Wenn die Vorstellung Wirklichkeit wird

Endlich ist der Startschuss für die Paralympics gefallen. Wir vom Team der Paralympics Zeitung haben nun erfahren, wie ein Projekt, dass zunächst weit entfernt scheint, immer näher rückt und sich schließlich voller Emotionen entlädt.

Alexander Kauschanski
Bei der Arbeit während der Eröffnungsfeier. Ein einmaliges Erlebnis - nicht nur für Alexander Kauschanski.
Bei der Arbeit während der Eröffnungsfeier. Ein einmaliges Erlebnis - nicht nur für Alexander Kauschanski.Foto: promo

Es ist der Tag der Paralympics-Eröffnungsfeier. Zwanzig Jugendliche aus Deutschland und Großbritannien sitzen bei der Redaktionskonferenz im Londoner Gebäude der englischen Lehrergewerkschaft. Wir bangen. Denn die Tickets für die Eröffnungszeremonie reichen nicht für alle. Wir hoffen alle darauf, die große Feier miterleben zu können. Chefredakteurin Karin kündigt eine Ticketlotterie für uns an, schreibt unsere Namen auf Zettel. Die Anspannung knistert im Raum. Karins Kollegin Clara zieht zwei Zettel. Dann lächelt Karin scheinbar entschuldigend. „Wir haben Tickets für euch alle bekommen.“, überrascht sie. Mit Freuderufen wandelt sich die Anspannung zur elektrisierenden Vorfreude. Nun können wir – im wahrsten Sinne des Wortes – wirklich alle einen Teil der Geschichte der Paralympics schreiben.

Als wir auf das Stadion zugehen, holt uns der Geist von Olympia schon auf. Die umherwirbelnden Menschen stecken uns mit ihrer Vorfreude an. Und obwohl wir als Team nicht alle zusammensitzen können, sind wir dennoch durch die Idee des Sports miteinander verbunden.

Aber was wäre eine Eröffnungsfeier ohne eine Herausforderung für uns frische Journalisten. Wir sind schon nah an unserem Ziel, als wir einen Police Officer nach dem Weg zu den Presseplätzen fragen. Er deutet auf einen Eingang abseits des Stadions und sagt, wir müssen dort hingehen. Ohne Probleme kommen wir mit unseren Presseakkreditierungen durch den gesicherten Bereich – und merken schnell, dass dieser Weg nicht der richtige zu unseren Plätzen sein kann. Wir sind in einem Arbeitsbereich für die vielen Freiwilligen, die sich auch an diesem Tag enthusiastisch um das Stadium tummeln. Wir versuchen wieder rauszukommen. Ein Sicherheitsmann hält uns auf. „Ihr braucht einen gelben Sticker auf der Akkreditierung, um hier wieder herauszukommen“, erklärt er uns auf Englisch. Wir diskutieren, laufen umher, suchen die gelben Sticker, erfahren, dass es nicht genug für uns gibt, um herauszukommen, bis eine Dame die Bürde auf sich nimmt, uns zwei Meter durch die Absperrung hinauszuführen. Endlich sind wir wieder vor dem Stadion. Wir beeilen uns, um rechtzeitig zu unseren Plätzen zu gelangen.

Als sich das Panorama des riesigen Stadions sich vor uns öffnet, staune ich. Monatelange Recherche und Vorbereitung werden in diesem Moment mit der überwältigenden Freude belohnt ein Teil der großen Weltveranstaltung Paralympics zu werden. Es erfüllt mich zu wissen, dass das, was vorher Vorstellung und Wissen war, nun ein Teil unserer Wirklichkeit wird.

Bildergalerie: Die Eröffnungsfeier der Paralympics

Die Eröffnungsfeier der Paralympics
Bunt und spektakulär war sie, die Eröffnungsfeier der Paralympischen Spiele von London. Und mit dem Rollstuhl war an diesem Abend fast alles möglich.Weitere Bilder anzeigen
1 von 25Foto: AFP
30.08.2012 12:45Bunt und spektakulär war sie, die Eröffnungsfeier der Paralympischen Spiele von London. Und mit dem Rollstuhl war an diesem Abend...

Als wir im Pressebereich ankommen, bin ich positiv überrascht, wie viel Mühe man sich mit uns Journalisten gibt. Wir setzen uns an die Tische, die mit einer Lampe und Regenschutz ausgerüstet sind. Vor uns erstreckt ein Meer von leuchtenden Computerbildschirmen. Wir sehen, wie Fotografen vorne rechts schon sorgfältig ihre Kameras samt Stativen aufstellen. Kurze Zeit später beginnt die spektakuläre Show, die durch die Idee des „Enlightenment“ – der Aufklärung führt.

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