Paralympics-Tagebuch (5) : Das Lampenfieber besiegt

Ein Interview mit Bundespräsident Joachim Gauck - da kann das Herz schon mal ein bisschen schneller schlagen. Schülerreporterin Wibke Schumacher hat die Herausforderung gemeistert.

Wibke Schumacher
Bundespräsident Joachim Gauck mit Bahnradsportler Tobias Graf, der bei den Paralympics Bronze gewann. Foto: dpa
Bundespräsident Joachim Gauck mit Bahnradsportler Tobias Graf, der bei den Paralympics Bronze gewann.Foto: dpa

Piep. Piep. Piep. Das Fieberthermometer zeigt 37,9 Grad an. „Mist“, denke ich, „das darf doch jetzt nicht wahr sein!“ Ich darf jetzt nicht krank werden, auf gar keinen Fall! Drei Stunden lang arbeite ich bereits an den Interviewfragen für Joachim Gauck, unseren Bundespräsidenten höchstpersönlich. Schließlich wurde ich ausgewählt, um den Präsidenten Deutschlands ganze zwanzig Minuten lang zu interviewen. Nur Jacob Joy, Schülerredakteur des britischen Teams, und ich werden zu Herrn Gauck gelassen und ich fühle mich geehrt.

Doch trotz all der Vorfreude habe ich auch ein wenig Angst. Was, wenn ich so nervös bin, dass ich vor dem Bundespräsidenten umkippe? Was, wenn ich aus Versehen auf seinen Fuß trete oder meinen eigenen Namen vergesse? Tagesspiegel-Reporterin Annette Kögel versucht mich zu beruhigen. „Ach, keine Panik. Vergiss nicht, auch Prominente gehen auf’s Klo! Das sind Menschen wie du und ich.“ Und trotzdem – als Jacob und ich uns drei Stunden früher als nötig auf den Weg zum Velodrome machen, um den Präsidenten zu treffen, klopft mein Herz bis zum Hals.

Wir werden im Media Centre abgeholt und bekommen eine extra Akkreditierung, die uns Zugang zum Vip-Floor verschafft. Dort erwarten uns Martin Mansell, den wir bereits vom Workshop in Birmingham kennen, Herr Beucher und natürlich Herr Gauck, der den spannenden Cycling-Wettkampf verfolgt. Kurz nachdem der deutsche Athlet überraschend Silber gewonnen hat, kommt er die Treppe zu uns hoch gelaufen. Und plötzlich bin ich ganz ruhig. Ich werde weder umkippen, ihm auch nicht auf den Fuß treten und seinen Namen weiß ich auch: „Hallo Herr Gauck, Wibke Schumacher von der Paralympics Zeitung. Vielen Dank, dass Sie sich die Zeit für uns nehmen“, sage ich und schon geht das Interview los.

Mit einer Hand halte ich mein Klemmbrett, balanciere mit einem Finger das Aufnahmegerät und schreibe hektisch alles auf, was Herr Gauck mir ins Ohr schreit. Im Velodrome ist es nämlich ziemlich laut und ich kann manchmal kaum verstehen, was mein Interviewpartner sagt. Nach zehn kurzen Minuten ist es dann auch schon vorbei und ich habe ein paar gute Antworten für meinen Artikel in der dritten Ausgabe bekommen.

Abends treffe ich den Bundespräsidenten noch einmal im Deutschen Haus. Hier empfängt er die Deutschen Athleten, die für ihre Leistungen geehrt werden. George Simonds und ich machen schnell noch ein Foto mit Manuela Schmermund, der ersten deutschen Medaillengewinnerin bei diesen Spielen. Um zwei Uhr nachts falle ich müde ins Bett. Mein Tag voller VIPs ist geschafft – und trotz allem Stress hat es Spaß gemacht. Piep. Piep. Piep. Das Fieberthermometer ist fertig: 37.2 Grad. Das Lampenfieber ist besiegt!

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