Paralympics Tagebuch : Folge 5: Zu Besuch beim Fernsehen

Einen Blick hinter die Fernsehkulissen werfen konnte ich Anfang der Woche mit einigen Redaktionskollegen bei einem Besuch im IBC, dem Internationalen Broadcast Zentrum der Paralympischen Spiele.

Christina Spitzmüller
Reporterinnen und Reporter der Paralympics Zeitung zu Besuch beim ZDF in Sotschi.
Reporterinnen und Reporter der Paralympics Zeitung zu Besuch beim ZDF in Sotschi.Foto: Julia Ilinykh

Peter Kaadtmann, ZDF-Teamchef bei den Paralympics, nahm sich die Zeit und führte uns durchs Studio der beiden öffentlich-rechtlichen Sender. Seit 2000 berichten die Sportredaktionen über die Paralympics und jedes Jahr wird die Sendezeit erhöht. In diesem Jahr liegt sie bei insgesamt über 20 Stunden. Was ich nicht wusste: Die Einschaltquoten liegen dabei sogar höher, als bei den Sommerspielen. Das liegt daran, dass an den Wochenenden die Paralympics-Übertragungen innerhalb der üblichen Sport-Berichterstattung gezeigt wird, die in den Wintermonaten sehr hohe Einschaltquoten hat.

Dass dabei nicht immer alles ganz live ist, erstaunte mich: Die Aufnahmen, die nach den Ergebnissen der Wettkämpfe gezeigt werden, sind zum Beispiel oftmals schon vorher aufgenommen worden.

Bei unserem Gang durch die Produktionsräume, die zumindest beim ersten Besuch eher wie ein Labyrinth als wie eine funktionale Arbeitsräume wirken, war es schön, zu sehen, wie herzlich die Mitarbeiter miteinander umgehen: Kaadtmann wird nicht nur einmal mit Handschlag und Umarmung begrüßt. Auch uns Besuchern kommt man entgegen, wir dürfen in jeden Raum, die Mitarbeiter zeigen und erklären uns die technischen Geräte und Vorgänge.

Positiv überrascht hat mich auch, dass die Techniker der beiden Sender bei den Olympischen und Paralympischen Spielen viel enger zusammenarbeiten, als man das vielleicht annehmen würde. Zum Programmwechsel nach den ersten fünf Paralympicstagen werden nur Moderatoren und die Chefetage ausgetauscht, die Techniker bleiben die ganzen Spiele über in Sotschi. Die dafür notwendige technische Ausrüstung wird schon für die Olympischen Spiele aus Deutschland angeschifft und bei den Paralympics dann weiterbenutzt. Seit Januar waren Arbeiter von ARD und ZDF vor Ort, um das Studio im IBC aufzubauen. Lediglich die Büroausstattung wird vor Ort angemietet. So ein Bürostuhl kostet da schon mal 20 Euro pro Tag. Es wird also eine ganz schöne Menge Geld in die Hand genommen, um die Spiele zu übertragen.

Mich interessierte zum Schluss der Führung noch, warum Behindertensport fast ausschließlich zu den Paralympischen Spielen im deutschen Fernsehen übertragen wird und sämtliche andere Sportereignisse von Menschen mit Behinderung kaum Beachtung finden. Kaadtmann versuchte es damit zu erklären, dass Zuschauer Persönlichkeiten im Sport brauchen, für die sie sich begeistern können. Seiner Meinung nach ist mit Anna Schaffelhuber bei diesen Spielen eine Sportlerin dabei, die gut ankommt und präsent ist in den Medien. Vielleicht beginnen die Zuschauer sich also bald mehr für paralympischen Sport zu interessieren und schenken ihm mehr Beachtung. Darauf würden dann die Fernsehsender reagieren, indem sie mehr Sportereignisse übertragen. Ich würde es den Sportlern mit Behinderung wünschen!

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