Paralympics-Zeitung des Tagesspiegels : "Eine brillante Idee"

Die Paralympics-Zeitung des Tagesspiegels bekam den World Young Reader Prize in den USA. Das Projekt: Schüler aus Deutschland und dem Gastgeberland der Paralympics erstellen eine mehrsprachige Zeitung.

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Schülerreporterin Franziska Ehlert aus Hennigsdorf mit dem "World Young Reader Prize" in San Francisco.
Schülerreporterin Franziska Ehlert aus Hennigsdorf mit dem "World Young Reader Prize" in San Francisco.Foto: Kögel

„Mich muss mal bitte jemand kneifen, ich kann das alles gar nicht glauben.“ Franziska Ehlert kommt aus Hennigsdorf in Brandenburg – aber jetzt macht sie gerade eine Fotopause vor der Golden Gate Bridge in San Francisco, Kalifornien. Die 19-jährige Schulsprecherin vom Alexander-Puschkin-Gymnasium sagt: „Was ich dem Paralympics-Projekt vom Tagesspiegel nicht alles zu verdanken habe.“ Und der Tagesspiegel seinen engagierten Jungjournalisten! Alle zusammen sind gerade vom Weltverband der Zeitungsverleger in San Francisco während der 12. internationalen Konferenz zum digitalen Zeitungszeitalter mit dem World Young Reader Prize ausgezeichnet worden. Die Tagesspiegel-Delegation präsentierte das Konzept des internationalen Jungjournalistenprojekts „Paralympic Post“. Im Verlagshaus in Berlin wurde es am Montag beim Parlamentarischen Abend vorgestellt.

Jeweils anlässlich der zweitgrößten Sportveranstaltung der Welt erstellen Schüler aus Deutschland und dem Gastgeberland unter Anleitung eine mehrsprachige Zeitung. Vertrieben wird sie etwa gratis am Austragungsort, bei Handelskammern, im Goethe-Institut und im Europaparlament. Es gibt sie auch im Internet. Wer als Reporter dabei sein will, muss sich über einen Schreibwettbewerb qualifizieren. Alles begann, weil der Tagesspiegel schon in den 1990er Jahren das „Klasse“-Zeitungsprojekt für Schulen anbot. So kam die Anfrage, ob man Medienpartner einer Schülerzeitung während der Olympischen Spiele der Leistungssportler mit Körperbehinderungen werden wolle. Die Lokalredaktion stimmte zu, Sportredaktion, Chefredaktion und Verlag unterstützten das Vorhaben.

Die Premiere der Paralympics-Zeitung fand bei den Sommerspielen 2004 in Athen statt, die Redaktion traf sich in der Deutschen Schule am Stadion. Für das Zeitungsprojekt gab es den Paralympics Media Award. Der damalige Bundespräsident Horst Köhler besuchte zum ersten Mal die Redaktion. Die Zeitung über die Winterparalympics in Turin 2006 mit der Internationalen Europaschule Altiero Spinelli bekam den Sprachenpreis der Europäischen Union. 2008 machte sich die Paralympics-Zeitung als erstes Medienprojekt in China ohne Zensur einen Namen. Im März 2010 erreichten die beiden Beilagen der Paralympics-Zeitung in „Zeit“, „Handelsblatt“ und Tagesspiegel mit den drei Ausgaben der „Paralympic Post“ eine Auflage von 1,8 Millionen. In London 2012 sollen es drei Millionen werden. Immer hat das Projekt seinen Förderer an der Seite, die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung. Kommunikationschef Gregor Doepke kam auch in die USA, wie der Präsident des Nationalen Paralympischen Komitees, Friedhelm Julius Beucher.

„Von Kanada aus haben wir unsere Zeitungen mit einem Team im Tagesspiegel produziert. Wegen des Zeitunterschieds mussten die Berliner Nachtschichten einlegen“, erzählte Schülerin Franziska Ehlert vor Chefredakteuren und Verlegern etwa aus Singapur und Bangladesch, Indien, dem Kongo, Norwegen, Großbritannien, Äthiopien und Puerto Rico. „Unsere Nächte waren auch kurz“, sagte Franziskas Partnerschülerin Priscilla Korompis. „Aber wir haben so viel gelernt und erlebt, das werden wir nie vergessen – und Projektfotograf Thilo Rückeis hat uns immer tolle Tipps gegeben“, so die Kanadierin.

„Eine brillante Idee. Das Projekt zeigt soziales Engagement, erzeugt öffentliche Aufmerksamkeit und lehrt die Jugendlichen, in einem grenzübergreifenden und interkulturellen Rahmen über Integration und Sport zu berichten“, heißt es in der Laudatio der internationalen Jury für die Kategorie „Making The News“, vorgetragen von Aralynn McMane, der leitenden Direktorin des Programms zur Entwicklung der jungen Leserschaft vom Weltzeitungsverband. Den Preis hatte eine Künstlerin in den USA jeweils aus dem Papier der geehrten Zeitung kreiert.

Was das Erfolgsrezept sei bei der Leserschaft, die in Deutschland auch befragt wurde? „Bestimmt, dass unsere Texte authentisch sind“, meinten die Schülerinnen. „Und dass wir alle mit Enthusiasmus dabei sind.“ Annette Kögel

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