Paralympische Sommerspiele : Der steile Aufstieg der Vanessa Low

Bei den Paralympics in London noch war Vanessa Low schwer enttäuscht. Doch ein glücklicher Zufall machte sie zu einer anderen, einer viel besseren Sportlerin.

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Wo landet sie diesmal? Vanessa Low will weiter als 2012 springen.
Wo landet sie diesmal? Vanessa Low will weiter als 2012 springen.Foto: REUTERS

Ihr Zimmer hat sich Vanessa Low bei den Paralympics in London vor vier Jahren genau mit der Richtigen geteilt. Wer weiß, ob sie heute sonst noch Leistungssport machen würde, wahrscheinlich wäre ihre Karriere nach den Spielen damals zu Ende gegangen, nach Platz vier über 100 Meter und Platz sechs im Weitsprung, beides hatte sie damals zu sehr enttäuscht.

Doch da war eben noch ihre Zimmergenossin Katrin Green. Die konnte Low nicht nur von zwei eigenen Medaillen erzählen, weil sie in Peking 2008 Gold und 2012 dann Bronze gewonnen hatte. Sondern auch von einem Trainer, der ihr weiterhelfen könnte. Zufällig war das ihr Ehemann, Roderick Green. Mit ihm lebt sie in den USA. Low war beeindruckt. Und schloss sich Greens Trainingsgruppe an.

Dann passierte einiges. Über 100 Meter verbesserte sich die oberschenkelamputierte Athletin bereits nach einem Jahr um eineinhalb Sekunden. Und im Weitsprung hält die Deutsche den Weltrekord. Sie ist Vizeweltmeisterin über 100 Meter und Weltmeisterin im Weitsprung. „Die Kombination aus Roderick und mir ist perfekt“, sagt Low, „er hat mich relativ früh zur Selbstständigkeit erzogen.“

Die Vorbereitung auf Rio war hart

In diesem Jahr hielt sich die 26-Jährige seit Mitte Mai in Deutschland für Wettkämpfe auf, die letzten Wochen vor der Europameisterschaft in Grosseto, bei der sie Gold im Weitsprung und Silber über 100 Meter gewann, trainierte sie ohne ihren Coach, genau wie vor den Paralympics. „Wir sind jeden Tag in Kontakt, meistens geht es darum, wie ich mich fühle. Ab und zu schicke ich auch ein Video, damit er das mit seinen Erwartungen besser abgleichen kann. Aber generell gibt es einfach ein großes Vertrauensverhältnis zwischen uns“, erzählt sie.

Die Vorbereitung auf Rio war hart, beim inklusiven Sportfest in Leverkusen musste Low den Wettkampf mit einer Zerrung am unteren Rückenstrecker abbrechen. Wenn es um die Paralympics geht, spricht sie auch von „Schmerzmanagement“ und sagt: „Wer jetzt noch schmerzfrei ist, hat nicht richtig trainiert.“

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Dennoch sieht sie sich in bester Verfassung, einerseits körperlich, aber auch mental sei sie besser vorbereitet als noch in London. „Das ist alles auch eine Kopfsache.“ Rio will sie entspannter angehen, weil sie weiß, was sie erwarten wird, „vielleicht kann ich es auch genießen.“

Ihre Ziele sind klar formuliert: „Nach einem solch harten Training will ich meine beste Leistung zeigen und wenn ich dann noch eine Medaille mit nach Hause nehmen kann, wäre das ein perfektes Paket.“ Mit ihrem Trainer hat sie sich bestens vorbereitet, jetzt muss sie selbständig gewinnen. Zumal ihr Trainer auch noch eine andere Aufgabe hat: Roderick Green startet für das Team USA in Rio im Sitzvolleyball.

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