Sport : Partei für die Unparteiischen

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Eine alte Fußballweisheit besagt, dass der Schiedsrichter in vielerlei Hinsicht die ärmste Sau ist. Ständig wird er angepöbelt und beschimpft, Fehlentscheidungen bekommt er monatelang als Superzeitlupe in Endlosschleife vorgespielt, gegenüber den hochbezahlten Profispielern und dem Rest des Fußballbusiness wirken die Teilzeit-Regelhüter wie ein Anachronismus. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) will seinen Schiedsrichtern nun helfen. Das kann den Unparteiischen im Speziellen und dem Spiel im Allgemeinen nur gut tun.

Bei seiner Schiedsrichtertagung in Altensteig-Wart beschloss der DFB gestern, die vom Weltverband Fifa erlaubte Torlinientechnologie einzusetzen, wahrscheinlich ab der Saison 2013/14. Die meisten deutschen Spitzenschiedsrichter hatten in der Vergangenheit bereits verkündet, technische Hilfsmittel gerne in Anspruch nehmen zu wollen, um Fehlentscheidungen – so weit möglich – ausschließen zu können. In einer zweiten Entscheidung sicherte der DFB den im Profifußball eingesetzten Unparteiischen eine finanzielle Grundsicherung zu. Die drei deutschen Fifa-Schiedsrichter Wolfgang Stark, Felix Brych undFlorian Meyer werden somit jährlich 40 000 Euro überwiesen bekommen, Linienrichter in der Zweiten Liga erhalten immerhin noch 2500 Euro. Damit macht der Verband seine Unparteiischen zwar noch nicht zu Profis, verleiht ihnen in der öffentlichen Wahrnehmung aber mehr Gewicht. Zudem sollte das Grundgehalt auch dazu beitragen, Schiedsrichter resistenter gegen mögliche Bestechungsversuche zu machen. Und Abhängigkeitsverhältnisse, wie sie offensichtlich zwischen dem ehemaligen Schiedsrichter-Obmann Manfred Amerell und jüngeren Unparteiischen bestanden, werden unwahrscheinlicher.

Pfiffe und Buhrufe wird es trotzdem weiter geben. Immerhin können sich die Geschmähten nach Spielende den Stress wegmassieren lassen: Der DFB beschloss zu guter Letzt, dass Schiedsrichtern bei Bundesligaspielen ein eigener Physiotherapeut zur Verfügung gestellt wird. Ein bisschen mehr Knete und ein bisschen mehr kneten: Seit gestern sind die ärmsten Säue nicht mehr ganz so arm.

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