Sport : Partizan Belgrad droht Platzsperre

3:0-Sieg des FC Bayern von Zwischenfällen überschattet

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München. Der Frieden am nächsten Tag an der Säbener Straße war äußerst erholsam für Spieler und Entourage des FC Bayern München. Ruhe, Sonnenschein und blauer Himmel, Feiertagsatmosphäre eben zu Mariä Himmelfahrt in der bayerischen Landeshauptstadt. Nur Oliver Kahn stapfte übellaunig übers Trainingsgelände; er war nach Aussage der Kollegen vom Abend im Belgrader Partizan-Stadion noch immer bedient. Obwohl seine Bayern nach dem 3:0-Sieg so gut wie sicher in der 1. Hauptrunde der Champions League stehen.

Trainer Ottmar Hitzfeld dagegen war ruhiger, sprach sogar davon, „dass wir keine Angst hatten und uns schon gut geschützt fühlten". Allerdings sei es auch „ein Problem gewesen, die Spieler zu beruhigen“, nachdem Oliver Kahn beim Warmmachen eine Münze an den Kopf bekommen hatte. Am Abend in Belgrad war er erregter, sprach von „unwürdigen Bedingungen“ und fand die Stimmung „giftig und aufgeheizt".

Kein Wunder, hatte doch sein wichtigster Spieler und Kapitän, Oliver Kahn, ein Déjà-vu-Erlebnis. Nachdem er von einer Münze getroffen worden war, konnte er sich fühlen wie vor knapp zwei Jahren, als ihn in Freiburg ein Golfball böse an der Schläfe verletzte. Nach dem Münztreffer wollte er in Belgrad gar nicht mehr spielen. Erst in einer konzertierten Aktion von Hitzfeld, Manager Uli Hoeneß und Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge ließ er sich umstimmen und nach nach dem Spiel war sein sarkastischer Humor wieder da: „Nach der tollen WM merkt man, dass man wieder daheim ist".

Dabei dürfte es in der heimischen Liga künftig friedlicher zugehen, wird der nationale Heros neuerdings doch sogar von den gegnerischen Fans gefeiert. Was im Spiel keiner merkte, verriet danach Ottmar Hitzfeld: „Olli war ziemlich down und hat Nerven gezeigt.“ Und Vorstand Rummenigge wusste: „Er war stocksauer." Stocksauer war allerdings auch Rummenigge selbst. Der kündigte bereits an, dass die Geschehnisse von Belgrad wohl nicht folgenlos bleiben dürften. „Einige Dinge waren nicht okay. Hier wurden zum Beispiel unsere Fans mit den Belgrad-Fans gemixt. Das ist aus meiner Sicht lebensgefährlich“, sagte Rummenigge. Eigenartig ist, dass nicht schon nach dem Tumulten im Spiel gegen Hammarby eine Woche zuvor durchgegriffen wurde. Schließlich liegen zwei Fans des Schwedischen Meisters noch immer im Krankenhaus. „Gerade weil schon was passiert ist, hätten die rigoroser durchgreifen sollen“, befand Rummenigge.

Am 22. August, fünf Tage vor dem Rückspiel, wird die Uefa nun beraten, was mit Partizan Belgrad passiert. Schließlich wurde schon bei der Ankunft der Bayern-Kicker ihr Bus mit Steinen beworfen und im Spiel auch Schiedsrichter-Assistent David Doig Opfer eines Münzwurfs. Der Uefa-Delegierte Michel Pralong sicherte sich deshalb das Videoband vom Spiel, außerdem, so berichtete Uefa-Sprecher Thomas Giordano, würden „alle durch die Feindseligkeit der Belgrad-Anhänger ausgelösten Vorfälle im Bericht des Schiedsrichters stehen.“ Partizan droht somit eine Geldstrafe, eine Platzsperre oder sogar der Ausschluss aus dem laufenden Europacup-Wettbewerb. Detlef Dresslein

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