Sport : Party am Abgrund

Für die Volleyballer von Bayer Wuppertal geht es im Finale gegen den SCC um mehr als den Meistertitel

Frank Bachner

Berlin. Gabriel Krüger kommt gerade nicht auf den Namen. „Ist der wichtig?“ Eigentlich nicht. „Gut, das war auf jeden Fall ein hohes Tier aus der Forschung. Einer, der etwas zu sagen hat.“ Das ist wichtig. Und der Chef des Bayer-Werks in Wuppertal, der war auch da zur Verabschiedung, das ist noch wichtiger. Und das Fernsehen, der WDR, der war auch da. Der WDR filmte am Dienstag den Werkschef und den Forschungsmitarbeiter, Vor allem aber filmte er Gabriel Krüger, den Außenangreifer des Volleyball-Bundesligisten SV Bayer Wuppertal, und die anderen Spieler, die in den Bus einstiegen. Es war Dienstag, elf Uhr, der SV Bayer Wuppertal startete zum ersten Finalspiel um die deutsche Meisterschaft gegen den SC Charlottenburg (Mittwoch, 19 Uhr, Sömmeringhalle) nach Berlin.

Das Fernsehen, der Werkschef des Hauptsponsors – das alles hat Symbolkraft. Das Team hat noch einen Stellenwert, heißt das. Denn für Wuppertal geht es nicht bloß um einen Titel. „Wenn das Team Meister wird, erhöhen sich die Chancen der Mannschaft aufs Überleben“, sagt ein Kenner der Wuppertaler Volleyball-Szene.

Wuppertal war 1994 und 1997 Deutscher Meister, 1995 Pokalsieger und mehrfach Vizemeister. Aber in dieser Saison ist Wuppertal ein Problemfall. Hauptsponsor Bayer kürzte in der wirtschaftlichen Krise vor der Runde den Etat um 25 Prozent auf geschätzte 400 000 Euro, die Leistungsträger Smith, Jokanovic und Cyvas verließen den Verein, der Zuschauerschnitt sank um 30 Prozent auf rund 700 Fans, und vor der Saison konnte Bayer erstmals seit vielen Jahren nicht für den Europapokal melden. 60 000 Euro fehlten, um am CEV-Cup teilzunehmen. Das war schon ein Alarmzeichen, weil Bayer bis dahin die Teilnahme am Europacup quasi als Pflicht vorgegeben hatte. „Bayer ist schnell dabei, eine erfolgreiche Mannschaft fallen zu lassen“, sagt ein Wuppertaler Sportjournalist. „Erfolg allein bedeutet gar nichts, wenn es dem Konzern schlechter geht.“ Vor zehn Jahren wurden die Bayer- Volleyballer von Leverkusen kurzerhand mit Bayer Wuppertal fusioniert. „Ohne Titel wäre die Möglichkeit groß, dass Bayer so viel spart, dass die Mannschaft in der Bundesliga nur noch um den Klassenerhalt kämpft.“

Michael Mücke, der Trainer, hat jetzt Spieler, die im Schnitt 23 Jahre alt sind und vom Regional-Fernsehen bisher fast ignoriert wurden. Alle Verträge laufen aus, auch der von Mücke, kein einziges Gespräch über die Zukunft wurde bisher geführt, aber die Stimmung ist glänzend. „Die ungewisse Lage ist für uns überhaupt kein Thema“, sagt Gabriel Krüger. Er hat drei Jahre lang, bis 2002, für den SCC gespielt, er ist der Zweitälteste im Team, einer von drei Führungsspielern. Und Mücke sagt: „Für uns ist das Endspiel Showtime. Wir wollen Party und Spaß.“ Und nach einem Titelgewinn natürlich in die Champions League. Nur kostet die mindestens 200 000 Schweizer Franken. „Egal“, sagt Mücke, „ich bin sicher, dass Bayer dann den Etat verdoppelt oder verdreifacht.“

Das ist natürlich nicht mehr als ein Spruch. Es ist ein Ausdruck von Hoffnung. Die Realität sieht im Moment erheblich düsterer aus. Das Stichwort Dehne genügt. Frank Dehne ist Nationalspieler und SCC-Regisseur. Mücke hatte ihn betreut, als er noch Trainer von Telekom Berlin war. „Er würde gut zu uns passen“, sagt Mücke. Und könnte Wuppertal ihn bezahlen? Diesen Dehne, der bestimmt kein Topverdiener ist? „Na ja“, sagt Mücke zögernd, „im Moment könnten wir ihn uns nicht leisten.“

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