Partyzug nach Berlin : Unions Offensive am Zapfhahn

Berlins Fußball-Zweitligist 1. FC Union feiert im Partyzug mit den Fans zurück nach Berlin einen Punkt in Kaiserslautern. Eine verfrühte Nichtabstiegsfeier?

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1.FC Kaiserslautern - 1. FC Union
Hier eher defensiv: Unions Mattuschka stopp Lauterns Brugera.Foto: dpa

Berlin – „Ich war noch niemals in New York“ dröhnt es aus den Lautsprechern. Der Schlager geht auch den Fans des Fußball-Zweitligisten 1. FC Union leicht über die Lippen. Auf der Rückfahrt im Sonderzug nach Berlin feiern sie ausgelassen das 1:1 ihrer Mannschaft beim Spitzenreiter 1. FC Kaiserslautern. Dass ihr Team zum achten Mal in Folge nicht gewinnen konnte, ist bei Bier, Bratwurst und Schnittchen kein Thema. Der Partyzug, der mit einem Disko- und Tresenwagen ausgestattet ist, rockt – auch weil die Spieler zu den über 500 Mitreisenden gehören.

„Die Stimmung im Zug und die Union-Fans gefallen mir sehr gut“, sagt Chinedu Ede. Der Mittelfeldspieler, der in Kaiserslautern das Eigentor des Pfälzers Srdjan Lakic mit einem Pfostenschuss eingeleitet hatte, sieht die Fahrt mit den Anhängern noch nicht als eine vorzeitige Feier des Klassenerhalts. „Ich denke aber, dass wir auf keinen Fall absteigen“, sagt er.

Als alle Spieler gegen 19.30 Uhr den Weg von ihren abgeschotteten Abteilen hinter der Lok zum sechs Wagen entfernten Partybereich antreten, gleicht das einem Triumphzug. Immer wieder kommt der Tross zum Stehen, weil die Spieler Autogramm- und Fotowünsche der Anhänger erfüllen. Defensivmann Dominic Peitz weckt sogar schlafende Fans, die alle seit zwei Uhr morgens auf den Beinen sind, mit einem Spruch.

Im Tresenwagen ist die Müdigkeit jedoch spätestens verschwunden, als Karim Benyamina, John Jairo Mosquera und Shergo Biran über die Theke krabbeln und sich als Wirte an die Arbeit machen. Die Angreifer des 1. FC Union bringen die von der Mannschaft spendierten drei Fässer Freibier persönlich unter das Volk. Der Kolumbianer Mosquera trägt eine Narrenkappe und hat wie seine Mitspieler das Fan-Trikot „Eiserne Exorzisten-Tour Kaiserslautern 2010“ übergestreift. Ein bisschen zumindest hat Union ja wirklich den Roten Teufeln aus Kaiserslautern den Teufel ausgetrieben.

„Die Rückfahrt ist überragend“, sagt Benyamina nach fast drei Stunden an der Theke. Auch er warnt trotz nunmehr 38 Punkten davor, den Ligaverbleib als sicher anzusehen. „So lange es rechnerisch möglich ist, dass wir absteigen können, ist es noch nicht vorbei.“

Von den Fähigkeiten seiner Offensive am Zapfhahn bekommt Trainer Uwe Neuhaus live nichts mit. Der 50-Jährige zieht es vor, in seinem Abteil Karten zu spielen. Mindestens ein Bierchen ist aber wohl jedem Fußballer gestattet. Vorsorglich gibt Neuhaus zudem nach der über acht Stunden dauernden Rückfahrt für Sonntag und Montag trainingsfrei. Fans und Spieler genießen den von einer Fan-Vereinigung für 70 Euro pro Kopf organisierten Sonderzug. „Es ist eine tolle Sache, die allen gut tut“, sagt Abwehrchef Daniel Göhlert. Im Diskowagen lief gerade der Song „Es fährt ein Zug nach nirgendwo“. Doch um 0.34 Uhr landen mehr als 500 Union-Fans wieder sicher in Berlin-Lichtenberg.

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