Sport : Passfälschungen im Profifußball: Verdacht fällt auf die russische Mafia

Martin Pütter

Insgesamt neun Vereine der englischen Premier League haben im Moment Grund, sich wegen einzelner Spieler Sorgen zu machen. Der "National Criminal Intelligence Service" (NCIS) der britischen Polizei startete in der vergangenen Woche eine Untersuchung, die sich mit der doppelten Staatsbürgerschaft von 80 Spielern im englischen Profifußball befasst. Betroffen von dieser Untersuchung sind auch 21 Spieler aus der Premier League.

Der FC Arsenal aus London wird im Rahmen der Untersuchung die meisten Fragen zu beantworten haben. Der Gegner des FC Bayern München in der Zwischenrunde der Champions League hat gleich fünf Profis mit doppelter Staatsbürgerschaft unter Vertrag: Silvinho und Edu (Brasilien/Portugal), Lauren (Kamerun/Spanien), Thomas Danilevicius (Litauen/Griechenland) und Nelson Vivas (Argentinien/Spanien). Newcastle United und der FC Middlesbrough haben je vier Doppelbürger unter Vertrag.

Der englische Fußballverband FA scheint entschlossen, einer Forderung von Gordon Taylor zu folgen. Der Präsident der Spielergewerkschaft PFA hatte Punktabzüge für alle Klubs gefordert, die Spieler mit illegal erworbenen EU-Pässen eingesetzt haben. In England gilt nach wie vor die Regel, dass Spieler aus Nicht-EU-Ländern nur unter bestimmten Vorausetzungen verpflichtet werden können: Sie müssen aktuelle und regelmäßige Nationalspieler ihres Heimatlandes sein, und sie müssen, wenn sie innerhalb Englands wechseln wollen, mindestens 75 Prozent der Spiele ihres alten Vereines bestritten haben. Dazu dürfen jeweils nur drei Profis aus Nicht-EU-Ländern spielen. Dies versuchen die Klubs auch damit zu umgehen, dass sie Spieler mit doppelten Staatsbürgerschaften verpflichten.

Größere Probleme scheinen auf den FC Arsenal zuzukommen, vor allem durch den Brasilianer Edu. Dessen Verpflichtung war zunächst geplatzt, nachdem sich herausgestellt hatte, dass sein portugiesischer Pass gefälscht war. Später kam der Wechsel doch noch zustande. Und siehe da, plötzlich hatte Edu gültige portugiesische Papiere. Sein Fall erinnert an den des Argentiniers Esteban Fuertes, der vor zwei Jahren bei Derby County unter Vertrag stand. Als der Verein von einer Kurzreise nach Portugal heimkehrte, wurde dem Argentinier Fuertes die Einreise verweigert. Es stellte sich heraus, dass der Stürmer einen gefälschten italienischen Pass hatte.

Mittlerweile wird vermutet, dass das organisierte Verbrechen hinter gefälschten Ausweisen steht. Vor allem die russische Mafia wird verdächtigt, griechische Personalausweise an Spieler zu verkaufen, die nicht aus EU-Ländern stammen. Damit wäre Arsenal erneut betroffen, wegen des Litauers Danilevicius.

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