Sport : Passfälschungen im Profifußball: Wenn ein Ukrainer plötzlich Grieche wird

Eric Bonse

Der französische Fußball kommt nicht zur Ruhe. Seit Anfang Dezember hält ein Skandal um "faux passeports" (falsche Reisepässe) den Weltmeister in Atem. Drei Erstligisten - AS Monaco, FC Metz und St. Etienne - waren wegen Verstoßes gegen die Quotenregelung für ausländische Spieler mit Strafen belegt worden. Anfang Februar zog eine Berufungskommission die Sanktionen gegen Monaco und Metz überraschend zurück. St. Etienne kündigte daraufhin Berufung bei der Fédération Française de Football an. "Wir werden die Föderation anrufen und zur Not bis zum Staatsrat gehen", sagte Vereinschef Alain Bompard.

Begonnen hatte der Skandal mit einem vagen Verdacht: Beim Spiel Toulouse - St. Etienne am 4. Dezember hatten sich die Südfranzosen aus Toulouse darüber gewundert, daß St. Etiennes Torwart Maxym Levytsky im Laufe der Saison die Nationalität gewechselt hatte. Der Ukrainer spielte nun mit einen griechischen Reisepass. Der Brasilianer Alex wies sich überraschend als Portugiese aus. Nach der Beschwerde aus Toulouse verhängte die Ligue Nationale de Football eine drastische Strafe: St. Etienne wurden sieben Punkte aberkannt, Levytsky wanderte in Untersuchungshaft.

Seither fühlt sich Saint Etienne als unschuldiges Opfer dunkler Machenschaften. Levytsky sei von einem ukrainischen "Agenten" betrogen worden, gab sein Anwalt an. Und St. Etiennes Präsident Bompard beschuldigt Olympique Lyon, die ganze Affäre eingefädelt zu haben, um den Brasilianer Alex zu erwerben. Der schwarze Peter wird also von Spieler zu Spieler, von Klub zu Klub weitergereicht. Sollte St. Etienne wirklich bis vor den Staatsrat - das oberste französische Verwaltungsgericht - ziehen, könnte sich der Skandal um die "faux passeports" noch Monate hinziehen.

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