Patrick Femerling : "Wir sind nicht weit weg von Europas Spitze"

Albas Kapitän Patrick Femerling vor dem entscheidenden Spiel gegen Ljubljana über die Europaliga, den feinen Unterschied im Basketball und den Frust über seine Verletzung.

Interview von Lars Spannagel
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Mit Ellbogen. Patrick Femerling.Foto: Camera4

Herr Femerling, heute kann Alba zum ersten Mal seit dem Jahr 2000 die Runde der besten 16 Teams der Europaliga erreichen. Damals waren Sie auch dabei. Kann man Albas Situation heute mit der vor neun Jahren vergleichen?



Ich glaube, das ist schwierig. Der Basketball hat sich seitdem weiterentwickelt. Außerdem müssen wir heute Abend erst einmal gewinnen, dann kann man mit dem Philosophieren anfangen.

Eine Tatsache ist definitiv anders: Damals standen mit Terry Dehere, Geert Hammink und Wendell Alexis nur drei Ausländer im Kader – und zwölf Deutsche. Sind Erfolge in der Europaliga mit so vielen einheimischen Spielern heute noch möglich?

Möglich ist es auf jeden Fall. Als ich von 1998 bis 2000 bei Alba war, gab es aufgrund der Ausländerregelung viel mehr deutsche Spieler im Kader, die auch ganz anders gefördert wurden. Am Ende kommt man immer auf dasselbe Thema zurück: Warum kann man Vereine nicht vor die Tatsache stellen, dass sie sechs deutsche Spieler im Kader haben müssen? Wenn man in Deutschland den Nachwuchs richtig entwickeln würde – wie in Spanien oder Griechenland –, dann könnte man auch mit mehr Deutschen erfolgreich spielen.

Trotz der bislang erfolgreichen Vorrunde hat Alba immer noch einen Abstand zu den Topmannschaften der Europaliga. Was fehlt dem Klub noch, um diese Lücke zu schließen?

Es soll keine Ausrede sein – aber die finanziellen Hintergründe bei ZSKA Moskau, in Barcelona oder Vitoria sind anders als in Berlin. Doch so weit weg von der Spitze sind wir gar nicht. Im Profisport ist aber selbst ein kleiner Unterschied ein Unterschied. Und der macht viel aus.

Worin bestand dieser kleine Unterschied, als sie 2003 mit Barcelona die Europaliga gewannen?

Wir hatten natürlich einige Stars – Dejan Bodiroga, Sarunas Jasikevicius oder Gregor Fucka. Wir hatten ein wirklich gutes Ensemble, in dem aber auch jeder für den anderen gekämpft hat. Um ein Final Four zu erreichen, muss man eine talentierte Mannschaft haben – aber auch das Quäntchen Glück, dass man in der richtigen Situation den richtigen Schuss trifft. In Barcelona hat alles komplett gepasst.

Auch Sie mussten sich in diesem Star ensemble unterordnen.

Wenn man die Chance hat, so einen Titel zu gewinnen, ist es egal, ob man 20 Punkte macht oder zwei. Jeder will als Star in der Zeitung stehen, aber das ist nicht jedem vergönnt. So funktioniert Basketball nicht. Der Erfolg der Mannschaft bringt allen Ruhm und Ehre. Und Spaß.

Vor der Saison sind Stars wie der Spanier Juan Carlos Navarro oder der Amerikaner Josh Childress aus der NBA nach Europa gewechselt. Hat das der Liga einen Qualitätsschub gegeben?

Es war gut für die Liga, den europäischen Basketball und das Prestige. Es zeigt, dass die Liga eine gute Qualität hat. Die Spieler kommen nicht nur wegen der Kohle, die man hier verdienen kann, sondern auch wegen des Niveaus. Natürlich wird hier auch ein anderer Basketball gespielt.

Inwiefern?

In der NBA spielt man eins gegen eins oder maximal zwei gegen zwei. Der Rest des Teams stellt Blöcke und geht zum Rebound. In Europa gibt es mehr Trainer mit Konzepten, die die ganze Mannschaft involvieren. Ich schaue mir lieber ein Europaligaspiel an als ein NBA-Spiel – außer wenn Dirk Nowitzki spielt. Ich bin eigentlich kein NBA-Fan. Außer vielleicht in den Play-offs – wenn es um die Wurst geht, macht das natürlich Spaß. Aber in der Europaliga geht es immer zur Sache.

Heute Abend werden Sie wegen Ihrer Knieverletzung nur zusehen können. Wie geht es Ihnen dabei?

Es ist schlimm. Eine Katastrophe. So lange war ich noch nie verletzt. Ich war in dieser Saison zweimal krank, dann wieder fit und auf dem Weg, meinen Rhythmus zu finden – und dann bin ich wieder raus. Aber jetzt bin ich von guten Ärzten operiert worden und werde bald wieder ein Knie haben wie ein 20-Jähriger.

Wie geht es Ihnen im Moment?

Gestern bin ich immerhin das erste Mal wieder Auto gefahren, mit einem geborgten Automatikwagen. Im Moment ist es aber noch ziemlich frustrierend.

Sie werden im März 34 Jahre alt, sind deutscher Rekordnationalspieler und haben viele Titel gewonnen. Wie groß ist Ihre Motivation, noch einmal zurückzukommen?

Leute wie Johannes Herber oder Jörg Lüdtke waren viel länger und schwerer verletzt, die haben es auch geschafft. Ich werde jetzt keine Heulsuse sein. Für meine Frau ist es schlimmer, dass ich so viel zu Hause bin.

Nach der Operation hieß es, Sie würden noch zwei Monate ausfallen. Welchen Zeitpunkt streben Sie für Ihr Comeback an?

Ich strebe an, heute Abend zu spielen. Aber leider wird das wohl nicht hinhauen.

Das Gespräch führte Lars Spannagel.

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