Sport : Patrick Vieira, Stratege

Arsenals Kapitän liebt die Auseinandersetzung, und sein Anspruch dabei ist die absolute Dominanz

Wolfram Eilenberger

Wo Patrick Vieira (Foto: Reuters) ist, ist das Zentrum. Und an einem runden Tag ist Vieira überall. Kein Ort, den er nicht beherrscht, kein Spielzug, der nicht über sein Füße läuft, kein Zusammenprall, der ohne ihn auskommt. Es gibt derzeit keinen Spieler, der über eine vergleichbare Platzpräsenz verfügt.

Weshalb es auch nicht aufrichtig wäre, den 27-jährigen französischen Nationalspieler und Kapitän vom FC Arsenal aus London als zentralen Mittelfeldspieler vorzustellen. Traditionell gesprochen ist er das zwar, doch zeichnen sich Strategen seiner einsamen Klasse nicht zuletzt dadurch aus, bereits vorhandenen taktischen Mustern einen entscheidenden Schritt voraus zu sein. Anstatt über seine Position lässt sich Vieiras Spiel deshalb präziser über seinen Anspruch beschreiben, der da heißt: unbedingte Dominanz.

Mit imposanten 1,92 Meter Körperlänge verfügt Vieira dazu nicht nur über die nötige Statur, sondern insbesondere auch über die erforderliche Körpersprache. Vieira ist ein aufrechter, unbeugsamer Spieler. Trotz der gelassenen Ästhetik seiner Bewegungen lässt er deutlich spüren, wie sich jede Faser seines Körpers nach jener Intensität, jenem letzten existenziellen Kick sehnt, der nur aus der direkten Auseinandersetzung mit einem höchst aufgebrachten Gegenspieler erwächst.

Kommt man ihm dabei dumm, bleibt der Franzose für die eine oder andere Tätlichkeit gut. Doch wird er ob dieser dunklen Momente in London nicht weniger geliebt. Im Gegenteil, es ist die faszinierende Mischung aus unbedingter Zweikampflust und kühler Spielsteuerung, mit der Vieira über die Jahre zum Kultspieler von Arsenal aufstieg.

Wenn er den ersten Pass aus der Abwehr, den Rücken noch zum Gegner, mit dem Innenrist annimmt, sich Ball am Fuß um seinen Widersacher wendet, um darauf, die überlangen Beine noch immer in einem zügigen Fluss, seine außen lauernden Stürmerstars Fredrik Ljungberg, Sylvain Wiltord, Robert Pirès oder Thierry Henry auf die Reise in den Raum zu schicken, dann befindet sich Arsenals Spiel auf dem Gipfel seiner Möglichkeiten. Mit zwei Pässen vor dem Tor. Und der zweite, der gehört Patrick Vieira.

„Vieira, Vieira, oohooh, he comes from Senegal and plays for Arsenal“, schallt es dann im hingerissenen Highbury zur Melodie von „volare“. Es sind Momente großer Fußballkunst. Momente, in denen sich nicht nur Kulttrainer Arsène Wenger vor dem Achtelfinale in der Champions League gegen Celta de Vigo die verzweifelte Frage stellt, weshalb es ihm und Vieiras Arsenal in acht langen Londoner Jahren nicht gelingen wollte, auch nur einen einzigen europäischen Titel zu erringen.

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