• Paulo Sergio schießt den Vogel ab - Der Brasilianer ist Bayern München 15 Millionen Mark wert

Sport : Paulo Sergio schießt den Vogel ab - Der Brasilianer ist Bayern München 15 Millionen Mark wert

Zwei Wochen vor dem Start in die 37. Saison stößt die Fußball-Bundesliga auf dem Transfermarkt in neue Dimensionen vor. Mit 212,42 Millionen Mark investierten die 18 Teams in neue Spieler so viel Geld wie noch nie. Das entspricht einem Zuwachs von immerhin 89 Prozent, denn im vergleichbaren Zeitraum der vergangenen Spielzeit gaben die Klubs "nur" 112,42 Millionen Mark aus. Die bisherige Bestmarke lag bei 157,5 Millionen Mark (Saison 1995/96). Dem Kaufrausch stehen Erlöse von lediglich 91,4 Millionen Mark durch den Verkauf von Spielern gegenüber.

Selbst das Bosman-Urteil vor knapp vier Jahren, das allen europäischen Spielern mit auslaufenden Verträgen innerhalb Europas einen ablösefreien Vereinswechsel ermöglicht, konnte die Kosten der "Shopping-Tour" nicht senken. Zwar wechselten knapp 25 Prozent der Spieler (35 Akteure) zum Nulltarif zu einem Bundesligisten. Doch gleichzeitig erhöhten sich die Forderungen der abgebenden Vereine für die noch vertraglich gebundenen Spieler (102).

Am tiefsten in die Tasche griff Borussia Dortmund. Der Vorjahres-Vierte verstärkte sich für die stolze Summe von 41,5 Millionen Mark. Branchenführer FC Bayern München investierte 33,5 Millionen Mark. Dritter im Bunde ist der FC Schalke 04 mit Ausgaben in Höhe von 24,75 Millionen Mark. Die meisten Spieler (jeweils elf) verpflichteten jedoch mit TSV München 1860 und Aufsteiger SSV Ulm 1846 zwei Vereine, die in der Liste der Geldausschüttung im unteren Bereich liegen. Besondere Zurückhaltung legte sich der SV Werder Bremen auf. Der Pokalsieger erleichterte die Vereinskasse nur um 600 000 Mark. Ähnlich zurückhaltend agierten Aufsteiger SpVgg. Unterhaching (1,2 Millionen Mark) und der SC Freiburg (1,28).

Teuerster Einkauf im "Oberhaus" ist ein alter Bekannter. Der Brasilianer Paulo Sergio, der von 1993 bis 1997 für Bayer Leverkusen auf Torejagd ging, wechselte für die Rekordsumme von 15 Millionen Mark vom AS Rom zum FC Bayern. Mit drei "Neuen" im zweistelligen Millionenbereich (Ikpeba, Wörns, Bobic) rüstete der ehemalige Weltpokalsieger Borussia Dortmund kräftig auf im Bestreben um den nationalen Titel.

Hertha BSC hat rund 18 Millionen Mark in neue Spieler investiert. Sieben Millionen DM hat allein Marko Rehmer (vorher Hansa Rostock) gekostet, der allerdings einer Verletzung wegen geraume Zeit nicht zur Verfügung stehen wird. Ali Daei (bisher Bayern München/5,3 Millionen), Sebastian Deisler (Borussia Mönchengladbach/4 Millionen) und Kostas Konstandinidis (Panathinaikos Athen/2,5 Millionen) sind die weiteren Neuen, während der vom VfL Bochum gekommene Kai Michalke ablösefrei war.

Der Streit um die TV-Vermarktung der Bundesliga hat für den Fernsehzuschauer vorerst keine Konsequenzen. Wie in den Vorjahren sitzt der Bundesliga-Fan bei SAT 1 (Free-TV) und bei Premiere (Pay-TV) in der ersten Reihe. Der Ball soll aber stärker in den Mittelpunkt rücken. "Der reine Fußball-Anteil wird ausgebaut, das Drumherum zurückgefahren. Die Werbeeinblendungen reduzieren sich von vier auf drei", erläutert SAT 1-Sprecherin Brigitte Schmidt.

Die Sendezeit von "ran" am Sonnabend wird verkürzt. Die Sendung beginnt erst um 18.30 Uhr und dauert so lange wie ein Spiel, nämlich 90 Minuten. "Die Spielberichte werden ausführlicher und umfassender. Entscheidend ist, was auf dem Platz geschieht. Das wollen wir unseren Zuschauern zeigen", verspricht SAT 1-Sportchef Michael Lion. Mit den Änderungen reagierte die von Hamburg nach Berlin umgezogene Redaktion auf den Quotenrückgang im vorigen Jahr und auf die Neuordnung der Spieltage durch den DFB. Fünf Live-Übertragungen sind SAT 1 erneut garantiert. Da mindestens zwei Sonntag-Spiele um 17.30 Uhr stattfinden, heißt "ranissimo" in Zukunft von 18.45 bis 20.15 "ran am Sonntag". Die Sendung kommt ebenso wie "ran am Freitag" (22.15 bis 23.15 Uhr) live aus einem Stadion. Sonntags kommentiert Paul Breitner aus einem gläsernen Studio den Spieltag.

Bei Premiere wird jeweils freitags (20 Uhr), sonnabends (15.30 Uhr) und sonntags (17.30 Uhr) eine Begegnung live und verschlüsselt gezeigt. An den ersten Spieltagen stehen unter anderem die Hits 1. FC Kaiserslautern - Borussia Dortmund (14. August) und Bayer Leverkusen - FC Bayern München (22. August) auf dem Programm. Das Sonntag-Spiel und eine Live-Partie aus der Zweiten Bundesliga können allerdings nur die 520 000 Abonnenten von Premiere digital verfolgen.

Auch nach der Fusion von Premiere und DF1 zu "Premiere World" am 1. Oktober ändert sich dieses Schema nicht. Auffallend ist die gute Abstimmung der einzelnen Fußball-Sendungen. Am Sonnabendnachmittag wird der Zuschauer ab 15.30 zunächst bei "Premiere World", von 18.00 bis 18.30 Uhr beim DSF mit dem Zweitliga-Magazin und danach auf SAT 1 mit "ran" umfassend bedient. Dahinter steckt Strategie. Alle drei TV-Sender zählen zur Gruppe des Münchner Medienunternehmers Leo Kirch.

ARD und ZDF bleibt in dieser Konstellation nur die Rolle des Zweit- und Drittverwerters. Im Sommer 2000 laufen die derzeitigen TV-Verträge aus, bereits im kommenden Herbst sollen die Karten neu gemischt werden. Dann wollen die Vereine, vor allem der FC Bayern, mehr Geld sehen.

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