Sport : Paulsen will Kapitän bleiben

Das 0:1 der Deutschen verfolgten 84 Prozent aller Fernsehzuschauer. Was sahen die anderen 16?

Kapitän Paulsen führt
Kapitän Paulsen führtFoto: picture-alliance/ dpa

Schweinsteiger und Löw schlagen selbst Lena und Raab. Die deutsche Nationalmannschaft toppt mit ihren Auftritten bisher alle TV-Quoten. Die ARD erreichte mit der Übertragung des Halbfinalspiels gegen Spanien einen durchschnittlichen Marktwert von knapp 84 Prozent, 32 Millionen Menschen schalteten die zweite Halbzeit ein, dabei wurden die geschätzt zehn Millionen beim Public Viewing noch nicht mal mit eingerechnet. Die TV-Macher reiben sich die Hände: Selbst „Wetten dass ...?“, der „Tatort“ oder Deutschlands Sieg beim Eurovision Song Contest konnten nicht diese Traumquoten aufweisen.

Dabei sollten die Zahlen doch eher schockieren, denn die Frage bleibt: Was schauten die anderen 16 Prozent? Waren es Leute, die in den Urlaub gefahren sind und den Fernseher angelassen haben? Im Nachhinein muss man zugeben, dass diese 16 Prozent im Gegensatz zum Rest Deutschlands einen minder nervenaufreibenden Abend verlebten. Schließlich konnten sie im ZDF (4,5 Prozent) dahinschmelzen, als im Traumschiff Kapitän Paulsen seine Jugendliebe traf. Auch er wird sein Kapitänsamt wohl nicht mehr für Michael Ballack hergeben.

Wem das noch ein bisschen zu wenig Kitsch war, der blieb spätestens bei RTL (2,9 Prozent) hängen. Dort sorgte Vera Int-Veen in ihrer Sendung „Helfer mit Herz“ für mehr Tränen als Carles Puyol. Andere ambitionierte Wiederholungen von Spielfilm-Klassikern wie „Die Todesgrippe von Köln“ aus dem Jahr 1999 (Sat.1) oder „Sie muss meine Tochter sein“ (Vox) verzeichneten wenig überraschend noch geringere Resonanz.

Deutsche Länderspiele hingegen brachen bei dieser WM nacheinander Quotenrekorde: 89,2 Prozent schalteten gegen Argentinien ein, 87,2 Prozent gegen England, 79,7 Prozent gegen Ghana. Damit rechneten wohl auch die Sender, die sich nicht aus Südafrika meldeten. Promi-Dinner, musikalische Alpenreisen oder Tanzfilme über Studentenverbindungen waren chancenlos gegen die Fußball-Übertragungen.

Und sogar die Formel 1 stand im Schatten des Großereignisses. Das Rennen in Valencia sahen 5,62 Millionen Zuschauer, am gleichen Tag erreichte die ARD mit einer Fußball-Sendung die gleichen Werte. Dabei rollte darin noch nicht einmal der Ball, es handelte sich um „Waldis WM-Club“. Ron Ulrich

0 Kommentare

Neuester Kommentar