Sport : Pauschal daneben

Friedhard Teuffel

Es ist offenbar immer noch nicht genug über das Dopingsystem in der DDR gesprochen worden, sonst würden nicht solche Peinlichkeiten passieren wie in dieser Woche. Da behauptete Günter Paul, der Anwalt des Nationalen Olympischen Komitees, dass in der DDR niemand gezwungen war, „Dopingmittel zu nehmen. Die erwachsenen Athleten wussten Bescheid aus den Gesprächen, die zu Beginn und zum Abschluss ihrer Karriere geführt wurden“. Und bei den Minderjährigen seien die Eltern informiert gewesen. Gestern hat sich Paul für seine Äußerungen entschuldigt. Sie seien „missinterpretierbar“ gewesen, sagte er. Dabei lassen sie eine eindeutige Interpretation zu: Paul ist mit der historischen Deutung des DDR-Dopings überfordert.

Verwunderlich ist das nicht, weil auch sein Auftraggeber sich bislang nicht hervorgetan hat in der Aufarbeitung des DDR-Dopings. Das Desinteresse des NOK ist nur schwer zu erklären, weil es sich gerne mit dem ethischen Grundsatzprogramm des Sports beschäftigt. Wie passt ein solches Pauschalurteil dazu? Es gab jedenfalls in der DDR Sportler, die nicht genug bekommen konnten vom Doping, die neidisch mit dem Finger auf andere Athleten zeigten, wenn die eine Hormonpille mehr bekommen hatten. Aber es gab auch Sportler, die von ihren Trainern und Ärzten nicht gesagt bekamen, was sie da schlucken sollten, die eingeschüchtert wurden, darüber kein Wort zu verlieren. Zu Recht sind daher Ärzte und Trainer wegen Körperverletzung Minderjähriger verurteilt worden. Wenn schon der Rechtsvertreter eines Sportverbandes so danebengreift und damit auch die Opfer verdummt, muss noch viel geredet werden über das Doping in der DDR.

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