Sport : Pavel Nedved, Wildfang Tschechiens Kapitän lässt sich nicht aufhalten

Mathias Klappenbach

Er läuft und läuft und läuft. Immer weiter. Stillstand kann Pavel Nedved nicht ertragen. In Italien, wo er bei Juventus Turin spielt, wird der nimmermüde Antreiber deshalb und wegen seiner wehenden Mähne „das Pferd“ genannt. In Tschechien sagen sie zu dem außerhalb des Platzes introvertierten Mittelfeldspieler, der seine Nationalmannschaft heute gegen Außenseiter Lettland zum ersten Sieg bei dieser Europameisterschaft führen soll, „König von Prag“. Und die Mannschaftskollegen sollen ihn „Kleki-Petra“ rufen, so heißt der Stammesgelehrte der Apachen bei Winnetou.

Das sind hilflose Versuche, den derzeit komplettesten Fußballer Europas zu beschreiben. Denn Pavel Nedved kann einfach alles. Und er ist überall. Seine Position ist mit der Bezeichnung „Mittelfeldspieler“ nur grob umschrieben. Manche seiner zielstrebigen Tempoläufe startet er als linker Verteidiger, beim nächsten Angriff ist er auf dem rechten Flügel zu finden. Und hämmert zwei Minuten später einen Freistoß ins Tor. Nedved ist ungemein schnell und kann aus vollem Lauf mit beiden Füßen hart schießen. Perfekte Technik, überragende Athletik, unbeugsame Kampfkraft, Übersicht wie eine Überwachungskamera – Europas Fußballer des Jahres 2003 pflügt den Platz mit seinen Trommelschritten so gekonnt um wie kein anderer.

Nedved wird von Experten bewundert und von den Fans geliebt. Tschechien gilt wegen des 31-jährigen Mannschaftskapitäns, der noch nie einen großen internationalen Titel gewonnen hat, als öffentlicher Geheimfavorit dieser EM. Nedved streitet das ab. Und er hat Recht, obwohl er mit seiner Aussage gemeint hat, dass sein Land kaum Chancen auf das Finale hat. Aber Tschechien zählt nicht zu den Geheimfavoriten, es gehört zu den Favoriten. Nicht nur, aber vor allem wegen Pavel Nedved.

Mit der heutigen Folge endet unsere Serie, in der wir Ihnen aus jedem Teilnehmerland einen Spieler vorgestellt haben, dem wir eine entscheidende Rolle bei der Europameisterschaft zutrauen.

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