Sport : Pech eines Aufsteigers

Schalke-Profi Jones muss fürs Nationalteam absagen

Richard Leipold[Gelsenkirchen]

Manche Spiele haben zwar keinen Gewinner, aber einen großen Verlierer. In ihnen spiegeln sich dann die trüben Tage des Fußballs. Beim allzu mediokren 1:1 zwischen Schalke 04 und dem Hamburger wurde ein Mann zum großen Verlierer, der zuletzt eine Siegermentalität in sich trug, auch wenn sein Klub schon länger nicht mehr gewonnen hat. Der Gelsenkirchener Mittelfeldspieler Jermaine Jones war nach langem Leiden voller Dynamik auf die Überholspur des Fußballs-Lebens zurückgekehrt – und wurde prompt wieder durch eine Verletzung aus der Bahn geworfen.

Am vergangenen Freitag gegen zehn Uhr waren Wunsch und Wirklichkeit für den 26 Jahre alten Profi in Einklang. Bundstrainer Joachim Löw hatte ihn in das Aufgebot der Nationalmannschaft für die beiden anstehenden Länderspiele gegen Zypern und Wales nominiert. Nach einem schwierigen Ritt über den Parcours körperlicher Qualen schien Jones am Ziel. Er hatte ein Entschädigung für die komplizierten Folgen einer Fußverletzung vor Augen, die ihm über Monate hinweg nicht nur physisch zusetzte. In der gesamten vergangenen Saison konnte er für Eintracht Frankfurt nur vier Bundesligaspiele bestreiten. Für Schalke hat er schon nach dreizehn Runden dreimal so oft gespielt. „Ich hatte das Thema Nationalmannschaft immer im Hinterkopf und habe darauf gehofft, einmal das deutsche Trikot tragen zu dürfen, aber in erster Linie ist die Berufung für mich eine Belohnung für die schwere Zeit, die ich hinter mich gebracht habe“, sagte Jones.

Der Hamburger Stürmer Paolo Guerrero kickte ihn mit einem fiesen Tritt aus einem scheinbar realen Traum wieder zurück in den Alltag eines Patienten. Als Jones in der 25. Minute vom Platz humpelte, sagte der Stadionsprecher seine Auswechslung an, als müsste er von einem schweren Unglück berichten. Doch ausnahmsweise hatte der Leidgeprüfte so etwas wie Glück im Unglück. Jones erlitt zwar eine Kapselverletzung und einen Bluterguss im rechten Sprunggelenk, aber der Verdacht auf Bänderriss bestätigte sich bei einer Untersuchung im Krankenhaus nicht. Dass dies allerdings für Jones wirklich ein großer Trost ist, steht zu bezweifeln. Dafür ist der Schmerz über den Rückschlag wohl doch zu groß.

Denn die Länderspiele musste Jones dennoch absagen. „Das tut mir leid für Jermaine“, sagte Löw. „Er hatte sich über die Nominierung sehr gefreut. Es ist ärgerlich, dass ihm so ein dummes Foul einen Strich durch die Rechnung macht.“ In den Sommerferien, als seine Kollegen noch im Urlaub waren, hatte Jones in Krafträumen und Rehazentren für ein Comeback geschuftet, das ihm viele Fachleute und auch der damalige Vereinsarzt des FC Schalke nicht zutrauten. Dann avancierte er zur festen Größe und wurde allmählich zum Leistungsträger bei den Schalkern, die ihn aus Frankfurt abgeworben hatten. Dort hatte man ihn als Mitläufer eingestuft.

Wenn die Geschichte des Jermaine Jones ein Zweikampf zwischen Herz und Schmerz ist, hat der Schmerz wieder die Führung übernommen, aber das Spiel geht weiter, und das Herz ist weiter Favorit.

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