Sport : Peinliches zur Premiere

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Dortmund (dpa/Tsp). Luan Krasniqi ging auf der großen Bühne kläglich unter. Der Profiboxer im Schwergewicht, der am Samstagabend beim Kampfabend in Dortmund den Hauptfight bestritt, weil der verletzte Schwergewichtler Witali Klitschko als eigentliche Nummer eins ausfiel, verlor seinen EM-Titel in der Dortmunder Westfalenhalle durch technischen K. o. in der neunten Runde gegen Przemyslaw Saleta (Polen). Krasniqi gab auf – und nicht bloß 7000 Zuschauer in der Halle sahen diesen blamablen Abgang, sondern auch rund 3,3 Millionen Zuschauer am Fernseher. Denn das ZDF übertrug live. „Er sollte sich wirklich überlegen, ob er weitermacht“, sagte Universum-Cheftrainer Fritz Sdunek unmittelbar nach dem katastrophalen Ende. Der 31-jährige Krasniqi ist bei dem Hamburger Boxstall Universum unter Vertrag.

Dabei hatte der gebürtige Kosovo-Albaner zur Hälfte des auf zwölf Runden angesetzten Kampfs und selbst zum Zeitpunkt des Abbruchs noch wie der Sieger ausgesehen. Umso unverständlicher war dann seine Reaktion in der Ringpause vor der neunten Runde. „Ich will nicht mehr. Schluss“, sagte der frühere Amateur-Europameister. Auch sein Trainer Michael Timm konnte ihn nicht mehr umstimmen. Der 31-Jährige war offenbar konditionell am Ende. „Ich war einfach platt“, gestand er. Für Krasniqi war es die erste Niederlage im 21. Profikampf.

Das Desaster erzeugte drastische Reaktionen. „In Führung liegend, gibt man keinen Fight so auf. Da muss der innere Schweinehund überwunden werden“, tobte Timm. Und Universum-Chef Klaus-Peter Kohl fehlten die Worte. „Da bin ich sprachlos.“ Blamabel war dieser Ausgang allerdings auch für das ZDF. Die Mainzer, die mit Universum einen Vertrag geschlossen hatten, übertrugen erstmals einen Kampfabend.

Der entthronte Titelverteidiger bemühte sich weit nach Mitternacht zwar um Schadensbegrenzung („Ich habe den Gegner unterschätzt und war wohl übermotiviert“). Dass Krasniqi aber ein psychisches Problem mit sich herumträgt, hatte zuvor wohl auch der letzte Zuschauer in der Westfalenhalle gesehen. „Dass Saleta nicht so einfach auszuknocken war, hat Luan ein mentales Problem bereitet“, bestätigte Timm. Der bereits 34-jährige Saleta feierte in seinem 45. Duell den 41. Sieg, der ihm einen kaum mehr erhofften Titel einbrachte. „Ich hatte meine Laufbahn eigentlich schon beendet. Doch dann kam ein Anruf, und ich habe meine Chance gesehen“, schilderte der Pole die Umstände für das Zustandekommen des Duells.

Im zweiten Hauptkampf des Abends um die WBC-International Meisterschaft im Cruisergewicht (bis 86,2 kg) trennten sich Alexander Petkovic (München) und Rüdiger May (Köln) unentschieden. In dem Duell der beiden großen deutschen Boxställe hatte Universum-Fighter Petkovic in der ersten Hälfte des zwölfrundigen Kampfes mit seinem aggressiveren Stil Vorteile. Rüdiger May aus dem Sauerland- Camp setzte seine Führhand immer besser ein und gestaltete die letzten Runden des aufregenden Kampfes zu seinen Gunsten.

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