Per Mertesacker : „Ich dachte nicht, dass uns das umhauen könnte“

Per Mertesacker über das missratene Saisonende mit Werder Bremen und den Konflikt zwischen Frings und Klose.

Michael Rosentritt
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Foto: ddp

Herr Mertesacker, vor Ihnen liegt noch das Slowakei-Spiel und ein langer Sommer ohne Fußball. Wie fühlt sich das an?

Fantastisch. Das hatte ich vier Jahre lang nicht, mal unbekümmert den Sommer genießen zu können. Beim letzten Urlaub, bei dem ich entspannt habe, lungerte ich irgendwo im Harz rum. Dieses Mal geht es weit weg.

Weg von den Spannungen in Bremen, die Ihrem Klub alle Titel gekostet haben.

Ganz so einfach sehe ich das nicht. Natürlich hatte ich mir nach der WM und dem Wechsel nach Bremen für 2007 einiges vorgenommen. Und wir hatten ja mit Werder lange die Möglichkeit dazu, sowohl in der Meisterschaft als auch im Uefa-Cup. Unterm Strich reicht es mir nicht, mit Bremen Dritter zu werden. Ich wollte irgendwas in den Händen halten. Deswegen ist die Enttäuschung sehr groß. Das ist für mich ein ziemlicher Dämpfer. Das einzige, was mich aufgerichtet hat, war, dass ich nach meiner zweiten Verletzung in diesem Jahr wieder schmerzfrei spielen konnte.

Bremen ist in der Rückrunde grandios gescheitert. Der sonst so beschauliche SV Werder hat bayernhafte Züge angenommen. Wie konnte es dazu kommen?

In der Vorrunde haben wir stark gespielt. Ich hatte nie das Gefühl, dass intern etwas schief gehen könnte in dieser Saison. Wir haben schmerzvoll lernen müssen, dass es doch viele Konfliktpunkte geben kann, wenn es mal nicht gut läuft.

Weil plötzlich Eitelkeiten ins Spiel kamen?

Natürlich wird in der Rückrunde innerhalb einer Mannschaft diskutiert, wie der Kader im nächsten Jahr aussehen wird. Bleibt die Mannschaft zusammen, wer geht, wer kommt? Das ist auch ein ganz normaler Vorgang. Aber da war die Sache mit Torsten Frings und Juventus Turin, dann die Sache mit Miroslav Klose und den Bayern. Ich dachte nicht, dass uns das als Mannschaft umhauen könnte.

Trotzdem ist es am Ende so gekommen.

Ja, leider. Ich habe nicht gedacht, dass es mit solchen Themen solche Probleme für uns als Mannschaft geben könnte. Wir haben am Ende der Rückrunde einfach nicht mehr die Leistung gebracht. Woran es auch lag. Ich will das gar nicht nur auf dieses Geschichten beziehen. Aber viele sehen das als Schlüssel, klar.

Liegen diejenigen, die so denken, denn so falsch?

Hm. Mitte der Rückrunde war das natürlich ein großes Thema. Ich hoffe, dass es jetzt oder spätestens zu Beginn der neuen Saison zu Ende ist. Torsten Frings hat seine Dinge geklärt, er hat in Bremen verlängert. Und bei Miro wird sich sicher noch einiges tun. Trotzdem bin ich froh, dass jetzt die Sommerpause kommt und jeder erst einmal seine Wege geht. Das soll ja bekanntlich den Kopf frei machen.

Die beiden angesprochenen Spieler sind seit ein paar Tagen mit Ihnen bei der Nationalmannschaft. Gehen Sie sich aus dem Weg wegen dieser nervigen Situation?

Nein, überhaupt nicht. Ich glaube, alle Kollegen sehen es so, dass wir ganz gerne zusammen sind.

Torsten Frings hat deutlich Stellung bezogen in Bezug auf Miroslav Klose. Teilen Sie seine Botschaft?

Ich hätte mir auch gewünscht, dass der Miro rechtzeitig und klar sagt, was ist. Am liebsten wäre mir gewesen, dass er einfach gesagt hätte, dass er in Bremen bleibt. Er trägt ja auch eine große Verantwortung für andere Spieler. Aber meine Wünsche sind in diesem Zusammenhang ja egal.

Finden wir überhaupt nicht. Hat er sich Ihnen gegenüber mal erklärt?

Nicht sehr ausführlich. Klar war irgendwann, dass er noch ein Jahr in Bremen bleiben soll. Das war die erste klare Aussage. Sicherlich wünscht man sich ein bisschen mehr. Denn wenn er noch ein Jahr bliebe, stünde immer noch etwas offen. Dann wird es vermutlich immer wieder Theater geben.

Was raten Sie ihm denn?

Ich möchte und wünsche ihm nur, dass er glücklich wird, wo auch immer.

Klose sagt, die Bremer Vereinsspitze wäre eingeweiht gewesen. Hat sich der Verein immer geschickt verhalten?

Also der Verein wollte ja schon frühzeitig mit Miro verlängern. Das war die Kernaussage, die mir bekannt war. Und angeblich gab es die Vereinbarung, dass ein eventueller Wechsel national nicht vonstatten geht. Deswegen kann ich – aus meinem Wissen heraus – dem Verein keinen Vorwurf machen. Aber wie gesagt, ich weiß lange nicht alles.

Klose gab jetzt an, dass ihn mit Beginn der Rückrunde eine Virusinfektion sehr zu schaffen gemacht hat. Können Sie damit etwas anfangen?

Vom Typ her ist der Miroslav ja bescheiden und ruhig. Er geht eher defensiv an solche Themen heran. Prinzipiell finde ich das gar nicht schlecht, dass er nicht sofort irgendwelche Probleme vorschiebt, wenn die Leistung mal nicht so stimmt. Ich kann respektieren, dass er es nicht so mag, dass um seine Person so ein großes Brimborium gemacht wird. Aber genauso ist es ja dann gekommen. Deswegen finde ich die Entwicklung sehr, sehr schade. So etwas wünsche ich niemanden.
Das Gespräch führte Michael Rosentritt.

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