Sport : Per Mertesacker

Wie der Hannoveraner das Spiel gegen Hertha erlebte

Stefan Hermanns

Per Mertesacker gibt es jetzt – passend zur Jahreszeit – auch in der Ausführung als Weihnachtsmann. Auf der Anzeigetafel in der AWD-Arena wirbt er zurzeit mit rot-weißer Zipfelmütze auf dem Kopf für die Mitgliedschaft bei Hannover 96. Per Mertesacker ist zwar erst 20 Jahre alt, in Hannover aber längst ein wichtiger Werbeträger. „Er ist für sein Alter schon ein sehr abgeklärter Spieler“, sagt Herthas Verteidiger Arne Friedrich nach dem Sieg der Berliner gegen Hannover 96. Vor allem ist Mertesacker Nationalspieler, das hat es in Hannover seit Urzeiten nicht mehr gegeben.

Gegen Hertha verfolgt Mertesacker einen entschieden defensiven Auftrag. Über die Mittellinie geht der 1,97 Meter große Verteidiger nur bei Freistößen oder Eckbällen. Mertesacker nimmt die rechte Position in der Innenverteidigung ein, für seine Kollegen ist er die letzte Anspielstation vor dem eigenen Torwart. 51-mal kommt Mertesacker an den Ball. Ihm unterläuft dabei kein einziger Fehlpass, was aber auch damit zusammenhängt, dass er den Ball selten über mehr als 15 Meter spielt.

Abgeklärt tritt er auf, ruhig und konzentriert. Dazu hat Mertesacker ein gutes Stellungsspiel. In der Anfangsphase unterbindet er einen Konter der Berliner, indem er einfach sein Bein nach hinten ausstreckt wie ein Eiskunstläufer und auf diese Weise den Ball abfängt. Auch die erste gute Chance der 96er nimmt ihren Anfang bei Mertesacker. Kurz hinter der Mittellinie gewinnt er einen Zweikampf, im Liegen leitet er den Ball weiter auf Krupnikovic, der passt zu Stendel, und dessen Schuss fliegt an Herthas Tor vorbei. Wenn es einen idealtypischen Spielzug für die 96er gibt, dann wäre es dieser: In der Defensive den Ball gewinnen – und dann nichts wie ab nach vorne. Laut Statistik ist Per Mertesacker der zweikampfstärkste Spieler der Hinrunde gewesen. Das ist schön, aber entscheidend ist, dass ein Abwehrspieler die entscheidenden Zweikämpfe gewinnt. In der 54. Minute steht Mertesacker einen Meter hinter Nando Rafael, als der in Brusthöhe angespielt wird. Dann geht es sehr schnell. Rafael dreht sich, schießt, und der Ball fliegt ins Tor. Mertesacker kann nicht einmal mehr richtig reagieren. Vor dem Wiederanstoß zieht er sich die Stutzen zurecht, packt sich an den linken Fußballschuh. Als ob es daran gelegen hätte.

Aber es kommt ja noch die Nachspielzeit. Ein Eckball für Hannover, Torwart Enke ist mit vorne, gewinnt das Kopfballduell, Mertesacker springt hoch, der Ball landet auf seiner Schulter, und fliegt von dort über die Linie. „Ein reguläres Tor“, sagt Trainer Lienen. Doch der Schiedsrichter gibt es nicht. Ein Held darf Per Mertesacker an diesem Nachmittag nicht sein.

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