Sport : Perfekte Fahrt von Alonso

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Es gab Zeiten, da waren Siege für McLaren-Mercedes, für Teamchef Ron Dennis und Mercedes-Sportchef Norbert Haug fast so etwas wie Routine. Sie wurden als nahezu selbstverständlich hingenommen. Aber dass jetzt beim Großen Preis von Malaysia in der Formel 1, in der flirrenden Hitze von Sepang, Fernando Alonso und Lewis Hamilton einen blitzsauberen Doppelsieg hinlegten, das weckte neue Emotionen – und großes Erstaunen. Nicht nur bei der geschlagenen Konkurrenz, sondern auch beim Sieger selbst. Dass man die vorher favorisierten Ferrari im Rennen deutlich kontrollieren würde – Kimi Räikkönen wurde Dritter, Felipe Massa Fünfter –, hatte man im Team vorher selbst nicht erwartet. „Alles lief perfekt vom Start weg: die Boxenstopps, die Technik, die Arbeit des ganzen Teams – einfach alles”, jubelte Norbert Haug.

Der letzte McLaren-Mercedes-Sieg lag eineinhalb Jahre zurück. Im Oktober 2005 gewann Kimi Räikkönen den Grand Prix von Japan. Eine unendlich lange Zeit für das erfolgsverwöhnte Team von Ron Dennis. Gerade für ihn bedeutet ja selbst ein zweiter Platz schon eine schmerzhafte Niederlage. In Malaysia lieferte McLaren-Mercedes ein nahezu perfektes Rennen, sowohl technisch als auch fahrerisch vom vielleicht stärksten McLaren-Piloten-Duo seit den legendären Zeiten von Ayrton Senna und Alain Prost Ende der achtziger Jahre.

Dass der McLaren-Aufschwung zu einem nicht geringen Teil auch dem zweimaligen Weltmeister Fernando Alonso zu verdanken ist, daran besteht intern kein Zweifel. Alonso fordert das Team wesentlich mehr als Kimi Räikkönen in all seinen McLaren-Jahren, er macht Druck, drängt auf jeden noch so kleinen Fortschritt. Andererseits ist er aber auch in der Lage und willens, viel mehr eigenen technischen Input und detaillierte Analysen zu geben, als das der Finne je tat. Und wenn auch der eine oder andere Ingenieur bei den Silbernen zunächst glaubte, das Einzige, was Alonso vielleicht fehle, sei dieser unglaubliche, einzigartige Speed, den Räikkönen immer dann zeigt, wenn es darauf ankommt – spätestens seit dem Samstag in Malaysia sieht auch das ein bisschen anders aus. Da schaffte der Spanier in der zweiten Qualifying-Session, in der mehr oder weniger alle unter gleichen Bedingungen mit fast leeren Tanks fahren, eine so unglaubliche Zeit, dass ringsum nur Staunen herrschte. Dass er in der Lage ist, ein Rennen so kühl und kalkuliert nach Hause zu bringen wie kein anderer, in jedem Moment genau das Richtige zu tun, ist nicht unbedingt neu.

Dass aber schon im zweiten Rennen für sein neues Team der erste Sieg herausspringen würde, überraschte auch ihn selbst. „Ein Traum ist wahr geworden. Wir haben innerhalb sehr kurzer Zeit alle gemeinsam unheimlich viel gearbeitet, aber wir hätten nicht gedacht, so schnell so konkurrenzfähig zu sein. Es ist selbst für mich schwer zu glauben.“

Ron Dennis erinnerte schon bald nach dem Rennen daran, dass man jetzt schnellstmöglich wieder an die Arbeit gehen werde. Ferrari-Pilot Felipe Massa hatte ja gleich nach dem Rennen zugegeben, von der eigenen Langsamkeit überrascht gewesen zu sein und machte deshalb sogleich eine Art Kampfansage, dass es nun dringend gelte, Ursachenforschung zu betreiben. Ferrari-Vertreter Jean Todt gibt sich vor dem nächsten Grand Prix in Bahrain, wo Ferrari vor Saisonbeginn die Konkurrenz beherrschte, selbstbewusst: „Es gibt keinen Grund, warum wir dort nicht wieder absolut konkurrenzfähig sein und um den Sieg mitfahren sollten.“ Er baut darauf, in Sepang einem der typischen Rätsel der Formel 1 zum Opfer gefallen zu sein: Dass manchmal ein merkwürdiges Zusammenspiel verschiedener Umstände, von missglückten Starts und Strategien über leicht veränderte Streckenbedingungen bis zu minimalen technischen Problemen, dazu führt, dass auch mal gar nichts geht.

Nick Heidfeld aus Mönchengladbach, der als Vierter im BMW Sauber Felipe Massa im Ferrari das ganze Rennen über hinter sich halten konnte, stellte treffend fest: „Das sind eben die Rätsel der Formel 1, dass so etwas mal ganz plötzlich kippen kann – und beim nächsten Mal ist vielleicht alles wieder ganz anders.“

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