Sport : Permanente Passion

Die argentinische Nationalmannschaft spielt mit fußballerischen Idealen

Armin Lehmann

Stolz, Ehre, Liebe zum Vaterland. Das sind Begriffe, die für argentinische Nationalspieler noch etwas zählen. Emotional ausgedrückt bedeuten sie Passion, rational Handlungsrichtlinie. Aber Motivation sind sie allemal, weshalb gerne und oft an sie erinnert wird. Mit Erfolg, wie der 3:1-Triumph Argentiniens über den Erzrivalen Brasilien vom Mittwoch gezeigt hat. Am Abend vorher hatte Trainer José Pekerman schon viel über die besondere Verantwortung geredet, die seine Spieler mit den blau-weißen Trikots für das ganze Land tragen. Dann spazierte auch noch Diego Maradona im argentinischen Trainingszentrum Ezeiza bei Buenos Aires vorbei, predigte dem Team Demut und wies darauf hin, wie privilegiert man als Nationalspieler sei. „Danach hätten wir am liebsten sofort gespielt“, gestand Abwehrmann Juan Pablo Sorin nach dem Erfolg über Brasilien noch immer gerührt.

Argentinien wird beim Konföderationen-Pokal sehr befreit Fußball spielen können, denn mit dem Sieg über den Nachbarn und der gleichzeitigen Qualifikation für die WM-Endrunde ist das vorerst wichtigste Etappenziel erreicht. Und Trainer Pekerman hat sein erstes Gütesiegel erarbeitet. Der bisherige Nachwuchskoordinator des argentinischen Fußballs ist zwar bereits dreimal mit den Junioren Weltmeister geworden und hat seit 1994 unzählige Talente in den Profifußball gebracht, aber ob er auch das Männerteam erfolgreich werde trainieren können, daran hatten Fachleute wie Ex-Nationaltrainer César Luis Menotti gezweifelt.

Auf den Weg nach Deutschland zur WM hatte die Argentinier ein anderer Trainer gebracht. Pekerman umarmte ihn am Mittwoch symbolisch und dankte seinem Vorgänger Marcelo Bielsa. Der ungeliebte Grantler des argentinischen Fußballs hatte die Nationalmannschaft schon mit effektivem und offensivem Fußball ins Finale der Südamerikameisterschaft geführt, wo man die bessere Mannschaft war und doch unglücklich noch gegen Brasilien unterlag. Bielsa verlor bald darauf den letzten Rückhalt im Fußball-Volk und trat zermürbt und müde freiwillig zurück. Seitdem hat Pekerman versucht, den Weg fortzusetzen, und drehte nur an der einen oder anderen wichtigen Stellschraube. Sein jüngstes Erfolgsrezept ist die gelungene Mischung aus erfahrenen und jungen Spielern. Die wichtigste Veränderung aber ist Pekermans väterliche Ansprache. Sie motiviert. Zum Beispiel die älteren Stars. Stürmer Hernan Crespo galt schon als Aussortierter, mittlerweile gehört er wieder zum Stammpersonal, ordnet sich dem Teamgeist unter und schießt wichtige Tore.

Das Herzstück des argentinischen Spiels ist das Mittelfeld um Roman Riquelme. Der Mann vom FC Villareal sieht sich selbst nicht als genialen Passspieler, was er durchaus sein kann, sondern als Funktionsträger. Um ihn herum fangen unter anderen Sorin und Gonzalez die gegnerischen Aufbauspieler früh ab. Joachim Löw, Assistent von Bundestrainer Jürgen Klinsmann, beeindruckt vor allem diese „gute Mischung aus Technik und körperlicher Robustheit und Zweikampfstärke“. Man kann wohl sagen, dass die Argentinier ein bisschen so spielen, wie es die Deutschen im Idealfall auch gerne wollen: sehr aggressiv, sehr schnell und geschickt im Umschalten von Abwehr auf Angriff und umgekehrt.

Weltmeister wollen die Argentinier natürlich auch werden, aber bei ihnen ist das Aussprechen dieses Ziels eine Selbstverständlichkeit, obwohl man bei der letzten WM in Asien so kläglich in der Vorrunde gescheitert ist. Pekerman weiß: „Dieses Verlangen, zu gewinnen, ist konstant in unserer Geschichte. Weil wir eine große Fußballnation sind.“ Und er fügt sehr romantisch an: „Der Traum vom Triumph ist unsere permanente Passion.“

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