Sport : Persönlichkeit des Raumes

Michael Ballendat schätzt kubische und organische Formen

Rolf Brockschmidt

„Ein Tisch ist ein Tisch“, sagt der österreichische Designer Martin Ballendat – was sonst, möchte man hinzufügen. In der Regel hat der Tisch vier Beine, lässt sich ausziehen oder nicht – und dennoch steckt viel Spiel und viel Variabilität in dem Thema. Ballendat hat für den österreichischen Vollholzhersteller Team 7 einen großartigen Tisch entworfen, der inzwischen auch schon einige Preise bekommen hat. „Magnum“ ist wirklich ein großer Tisch, ausgezogen misst er bis zu 350 Zentimeter, die Auszugelemente verlängern ihn um 50 beziehungsweise 100 Zentimeter. Der kleinste Tisch misst 130 Zentimeter, der längste 250 Zentimeter. In der Breite misst er 90 bis 110 Zentimeter.

Getragen wird dieses Möbel nur von vier stämmigen Tischbeinen, die sich außen am Tisch befinden. Ja, sogar die Verlängerung wird mit den beiden Tischbeinen ausgezogen. Trotz der stämmigen Beine wirkt der Tisch mit zunehmender Länge eleganter, freischwebender, leichter. Die Proportionen verändern sich.

Die Tischplatte besteht aus acht Millimeter dickem Weißglas, das matt oder klar geliefert werden kann. Zieht man den Tisch aus, bekommt man die Ergänzung in Holz. Der Rahmen und die Ergänzung sind aus Holz gefertigt, wahlweise Nussbaum, Buche, Ahorn oder Erle. Ballendat hat zwar für dieses Möbel zwei Materialien verwendet, aber er plädiert für eine deutliche Entscheidung. „Ob Holz, Glas oder Edelstahl, es dominieren große Flächen einer Materialität, wobei diese bewusst gegen andere gesetzt werden. Ein einzelnes Produkt arbeitet also mit weniger Materialien im Mix – wenn Glas eingesetzt wird, dann großflächig.“ So dominiert bei Magnum die große Glasfläche, aber sie steht in schönem Kontrast zum Holzrahmen.

„Holz hat natürlich etwas sehr Authentisches. Seine Lebendigkeit macht das Material sehr spannend – aber nur, wenn es großzügig und in einer souveränen, klaren Formensprache verwendet wird“, sagt Ballendat.

Wirkt der Tisch puristisch kubisch, setzt Martin Ballendat ihm mit seinem Freischwinger Magnum einen Stuhl entgegen, der ganz anders auftritt. Der Freischwinger ist mit einem Geflecht überzogen. „Es ist uns erstmalig gelungen, eine atmungsaktive, elastische Gestrick-Bespannung über den Rücken hinaus bis in die Sitzflächen herunterzuziehen und damit die erste freitragende gestrickte Stuhlbespannung herzustellen.“ Den Rahmen kann man durch dieses Verfahren nicht mehr sehen. Der Freischwinger wirkt skulptural, architektonisch klar und souverän in der Linienführung, aber dennoch weich. Er ist das Verbindungsglied zwischen der kubischen und der organischen Formensprache.“

Im Zusammenspiel von Tisch und Stuhl muss nach Martin Ballendats Ansicht jedes Element eine klare Sprache sprechen. „Der Stuhl hat eine zentrale Rolle: Er verkörpert sozusagen die Persönlichkeit des Raumes und eignet sich gut, den weichen Part zu spielen. Korpusmöbel nehmen dagegen die Position der Raumarchitektur ein.“

Der Stuhl hat eine leicht geschwungene Rückenlehne, was einerseits Unterstützung für die Bandscheiben verspricht, andererseits eine elegante Optik liefert. Martin Ballendat hat noch mehrere organische Sitzmöbel entworfen, darunter auch diverse Bürodrehstühle.

Der 1958 in Bochum geborene Designer hat für verschiedene Hersteller gearbeitet und sich 1995 mit Ballendat Design selbstständig gemacht. In Österreich hat er mehrere Jahre als Design-Dozent in Graz gearbeitet. Sein Motto lautet: „Erst über einen Konsens von Form, Ausdruck, Nutzen und Technik entsteht Design, das nicht nur auf den ersten Blick gut ist.“

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