Sport : Personenschutz für einen Weltmeister

Der italienische Motorradrennfahrer Valentino Rossi erhält Morddrohungen von einer spanischen Terrorgruppe

Vincenzo Delle Donne

Mailand. Dass die spanische Terrororganisation „die Fünf Cs“ gefährlich ist, zeigte ihr jüngster Anschlag. In Rom explodierte eine Briefbombe, die von dieser in Italien bislang unbekannten Organisation an die staatliche Fernsehanstalt Rai geschickt worden war. Eine weitere Briefbombe wurde am römischen Flughafen Leonardo da Vinci entdeckt, und darin war wieder das enthalten, was viele Menschen in Italien verstört hat: Morddrohungen gegen den italienischen Motorradweltmeister Valentino Rossi. Im Bekennerschreiben der Terrorgruppe heißt es wörtlich: „Wir empfehlen dem Champion, den Vertrag mit Repsol aufzukündigen.“ Repsol ist eine spanische Ölfirma, die den Italiener sponsert.

Da verging selbst dem italienischen Sonnyboy Valentino Rossi das Lachen. Dass er jemals zur Zielscheibe von Terrordrohungen aus der spanischen Anarchoszene werden würde, hätte sich der amtierende Weltmeister der Halbliterklasse wohl selbst nicht träumen lassen. Dementsprechend amüsiert war Rossis Reaktion, als er zum ersten Mal von den Morddrohungen erfuhr. „Hör’ auf, mich auf den Arm zu nehmen“, sagte der 23-Jährige, als ihn sein Manager von der unglaublichen Bedrohung unterrichtete. „Sag’ mir sofort die Wahrheit: Sind wir bei ,Verstehen Sie Spaß?’“ Sie waren es nicht.

Seitdem gibt Rossi in dieser Angelegenheit keine Auskunft mehr. Die erste Morddrohung gegen den Motorradweltmeister aus Pesaro lag einer Paketbombe bei, die an die spanische Fluggesellschaft Iberia adressiert war. Entdeckt wurde sie auf dem Mailänder Malpensa-Flughafen. Anfänglich nahm Rossi die Drohung nicht so ernst, doch das änderte sich schnell. Am Montagabend verzichtete er auf Drängen der Sicherheitsbehörden und seiner Familie darauf, einen Preis der Sportzeitung „Gazzetta dello Sport“ entgegenzunehmen.

Die spanische Terrororganisation kämpft nach eigenem Bekunden gegen den „spanischen Staat und das spanische Kapital im In- und Ausland“. Die Gruppe hat sich außerdem dem Kampf gegen Kapitalismus, Gefängnisse und Gefängniswärter verschrieben. Einige ihrer Mitglieder sitzen unter verschärften Haftbedingungen in spanischen Gefängnissen.

Es ist damit zu rechnen, dass die Terrorgruppe weitere Bekennerschreiben produziert, zumal Rossi eine öffentlichkeitswirksame Zielscheibe ist. Ins Visier der Organisation kam Rossi, weil der spanische Ölproduzent Repsol auch in der kommenden Saison sein Hausptsponsor sein wird. Die italienischen Sicherheitsstellen nehmen die Drohungen sehr ernst. Rossi erhielt umgehend Personenschutz und wurde an einen geheimen Ort – wahrscheinlich in der Region Emilia Romagna – gebracht, wo er rund um die Uhr bewacht wird.

Auch Rossis Eltern sind sehr um ihn besorgt. „Wir wurden auf dem falschen Fuß erwischt, weil wir natürlich an solche Sachen überhaupt nicht gedacht haben“, sagte sein Vater Graziano. Schließlich sei Rossi ein nationales Idol, dem im ganzen Land die Sympathien zufgeflogen sind. Mutter Stefania sagte lediglich, dass „Valentino sehr überrascht ist.“

Rossi pflegte bislang einen ausschweifenden Lebensstil. Nun ist er gezwungen, das zu ändern. Schon bald dürfte sich Rossi nach London absetzen, wo er sein eigentliches Domizil hat. Dort dürften dann englische Bodyguards seinen Personenschutz übernehmen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben