Sport : Perspektive Mittelmaß

Die Eisbären decken die Schwächen des DEL-Spitzenreiters Frankfurt Lions auf

Claus Vetter

Berlin. Wenn es um Ausreden geht, sieht sich Lance Nethery selten vor größeren Problemen. So war das auch am Sonntag, nachdem die Mannschaft des wortgewandten Managers aus Frankfurt 1:3 bei den Eisbären verloren hatte. „Wir haben nicht schlecht gespielt“, sagte der Manager der Lions in seinem sanften Kanado-Deutsch. „Aber wenn der Wellblechpalast ausverkauft ist, hast du als Gast fast keine Chance.“ Wegen der „äußerst euphorischen Fans der Eisbären“ und so. Festung Sportforum? Hört sich furchterregend an, ist aber reichlich überzogen. Nicht nur, weil die Heimstätte der Berliner nur 5000 Zuschauer beherbergt und damit eine der kleinsten Hallen in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) ist. Nein, auch die Stimmung in der Arena war am Sonntagnachmittag eher mittelprächtig.

Die Irritation im Spiel der Frankfurter lag wohl in anderem begründet als in bedrohlich tobenden Berliner Fans. Natürlich sind die Lions auch nach der Niederlage noch Tabellenführer, mancher aber sieht den bisherigen Erfolg der Hessen auch in glücklichen Umständen begründet. „Bei den Lions lief das nur deshalb bisher so gut, weil die kaum Verletzte hatten“, sagt etwa Eisbären-Manager Peter John Lee. Drei Spieler haben ihnen ja schon mal gefehlt bei der Partie in Berlin. Das führte dazu, dass die Lions bei den Eisbären nur mit drei Sturmreihen agieren konnten: Sie haben schließlich nur zwölf Offensivkräfte unter Vertrag. Die Eisbären zum Beispiel haben 20 Stürmer im Kader, 18 davon haben in dieser Saison schon gespielt. Natürlich haben die Berliner beim 3:1 gegen die Lions auch ihre vierte Sturmformation gebracht, zur Entlastung freilich und erstmals in Spielminute 14. „Das war schon ein Vorteil der Eisbären“, sagte Nethery. „Aber wir hatten eben nur zehn Stürmer dabei. Man hat nur bei 50 Prozent der Spiele keine Verletzten.“ Eine gewagte These: Es ist nun mal so, dass in der DEL mit fortschreitender Saison die Anzahl der Verletzten zunimmt und der Substanzverlust eines Teams größer wird. Die Krefelder sind vergangene Saison auch Meister geworden, weil sie über eine hervorragende vierte Sturmreihe verfügten.

Derart ausgeglichen besetzt sind die Lions nicht, das Toreschießen ist vor allem den Herren Patrick Lebeau, Jesse Belanger und Dwayne Norris vorbehalten. Was für die persönliche Statistik des Trios schön sein mag, kann für ihr Team bedrohlich werden, sollten die Stars fehlen oder müde werden. Die Vermutung liegt nahe, dass am Ende einer langen Saison die Mannschaften mit größerem Aufgebot als die Lions – Mannheim, Köln und die Eisbären etwa – den Titel ausspielen werden. Peter John Lee hätte auch nichts dagegen. Dass die Tabellenführung für die Lions nicht ewig währt, dessen ist sich der Berliner Manager jedenfalls sicher: „Wenn Frankfurt mal ein paar Spieler mehr als am Sonntag bei uns fehlen, dann kann das bei denen ganz schnell abwärts gehen.“

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