Sport : Perspektive Zweite Liga

Am Betzenberg ist nichts mehr, wie es mal war

Stefan Hermanns

Kaiserslautern - Die Zahlen sahen wirklich gut aus für den 1. FC Kaiserslautern: 13:11 Torschüsse, 6:5 Ecken, 18:12 Flanken, nur leichte Unterlegenheit bei Ballkontakten (49 Prozent zu 51) und Zweikämpfen (47:53). Trainer Kurt Jara hatte sein Team „mit Selbstvertrauen, Biss und Aggressivität“ erlebt. Leider war das im Training gewesen. Als es gegen Hertha ernst wurde, „hat von vorne bis hinten, von der ersten bis zur 90. Minute einfach gar nichts gestimmt“, sagte Jara. „Das war sicherlich das schlechteste Spiel, seitdem ich hier bin.“ Und welche 13 Versuche die Statistiker als Torschüsse gewertet hatten, hätte man auch gerne mal gewusst.

Es gab Zeiten, da hatten die Gastmannschaften Angst vor dem Betzenberg. Sie wussten, sie würden verlieren, notfalls durch einen vom Publikum in der 94. Minute herbeigebrüllten Elfmeter. Spieler und Zuschauer bildeten eine Einheit, sie rackerten, jeder auf seine Art und doch mit einem Ziel. Von all dem aber, was den Betzenberg mal ausgemacht hat, ist nichts geblieben. Drei der vier Heimspiele dieser Saison hat der FCK verloren. Nur noch 30 000 Zuschauer kamen gegen Hertha. Das ist für diese Spielzeit der Minusrekord und „ein Alarmzeichen“, wie der Vorstandsvorsitzende René Jäggi sagte.

Im Stadionheft zum Spiel gegen Hertha griff Trainer Jara noch einmal die Ereignisse nach dem Pokalspiel gegen Schalke auf: „Das Herummäkeln bestimmter Zuschauergruppen ging mir wirklich auf den Keks.“ Jara hatte sich beschwert, dass er von den eigenen Fans beschimpft worden war. Gegen Hertha wurde es noch schlimmer. Der FCK wurde verhöhnt. „Oh, wie ist das schön“, sangen die Zuschauer nach dem 0:2. Und als das Grauen fürs Erste beendet war, pfiffen sie sogar vergleichsweise zaghaft – als hätten sie bereits resigniert. Erst das grußlose Verschwinden der Spieler weckte den Widerstandsgeist der einst legendären Westtribüne. „Vielleicht sollten die Fans sich Gedanken machen, warum wir auswärts besser spielen“, sagte Ferydoon Zandi.

Vielleicht sollte sich Zandi mal Gedanken darüber machen, dass es auch für Fußballfans eine Schmerzgrenze gibt. Der Mittelfeldspieler, vom Zweitligaabsteiger Lübeck gekommen, trägt in Kaiserslautern das Trikot mit der Nummer 10. Das sagt alles über den Zustand der Mannschaft. Zandi ist in Kaiserslautern bestenfalls Perspektivspieler – ein Spieler mit der Perspektive Zweite Liga. Denn wenn kein Wunder passiert, wird der FCK nach dieser Saison zum zweiten Mal nach 1996 absteigen. Der Auftritt gegen Hertha war in jeder Hinsicht erschreckend. „Wir hatten nicht eine Torchance“, sagte Jara. Deshalb hatte er sogar Verständnis für den Unmut der Fans, selbst dafür, „dass auch der Kopf gefordert wird“. Sein Kopf.

„Der Trainer steht nicht zur Disposition“, sagte Rene Jäggi. Vielleicht hat er das sogar ernst gemeint. Es ist nämlich offensichtlich egal, wer die Mannschaft trainiert, ob Rehhagel, Brehme, Gerets, Jara oder demnächst ein anderer. Es ändert sich immer nur in Nuancen etwas, und auch das nur für kurze Zeit. Der Trend des FCK weist seit Jahren nach unten. Damit der Absturz noch verhindert wird, erwartet Jäggi jetzt von seinem Trainer mehr Härte mit den Spielern, es gebe in der Pfalz schließlich schöne Wälder. „Man muss den Spielern mal sagen, dass es kein Spiel ist. Es ist Ernst“, sagte Jäggi. „Und wenn sie das nicht begreifen, muss man ihnen das einhämmern.“

Und wenn sie es dann immer noch nicht begriffen haben, muss er eben doch den Trainer entlassen.

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