Sport : Petacchi sprintet weiter allen davon

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San Vendemiano Früher war er gar kein Mann für die letzten Meter. Als Nachwuchsfahrer hat Alessandro Petacchi einige Rennen gewonnen, aber keines davon im Sprint auf der Zielgeraden. Das hat sich im Laufe seiner Karriere geändert. Auch beim 87. Giro d’Italia hält kein Superlativ dem Antritt des 30-jährigen Italieners stand: Er gewann acht der ersten 15 Etappen. Petacchi stellte damit einen neuen Nachkriegs-Rekord auf und steht nun in den Geschichtsbüchern vor Radsport-Legenden wie Roger De Vlaeminck, Freddy Maertens und seinem Vorbild Guiseppe Saronni.

Für Vergessliche zeigt der jubelnde Petacchi bei der Zieldurchfahrt mit den Fingern immer die aktuelle Anzahl seiner Siege an. Beim Giro werden dafür noch beide Hände reichen, denn gestern ging es erst einmal in die Berge. Mit seinem neunten Tageserfolg wird Petacchi bis zum Sonntag in Mailand warten müssen. „Die Schlussetappe interessiert mich am meisten“, sagte Petacchi und kündigte seinen Konkurrenten auch für die nächsten Monate harte Zeiten an: „Zwischen Giro und dem Beginn der Tour de France liegt diesmal viel Erholungszeit und ich fühle mich im Moment nicht so kaputt wie im Vorjahr.“ Wenn Petacchi seine überragende Form halten kann, werden für die anderen Sprintspezialisten wie Erik Zabel oder Robbie McEwen auch bei der Tour de France 2004 nicht viele Tageserfolge bei Massenankünften übrig bleiben.

Schon im Vorjahr gewann der Nachfolger des langsam in Altersteilzeit rollenden Mario Cipollini sechs Giro-Etappen und vier weitere in der ersten Woche der Tour de France, bevor er die Frankreich-Rundfahrt mit einer Infektion verlassen musste. Innerhalb eines knappen Jahres hat der Fahrer vom Team Fassa Bortolo nun bei den drei großen Länder-Rundfahrten Giro, Tour und Vuelta insgesamt 23 Etappen gewonnen.

„Er könnte auf den letzten Metern auch Zeitung lesen oder einen Kaffee trinken — er ist zur Zeit unschlagbar und mit Abstand der Schnellste von uns allen“, sagte sein Cottbuser Konkurrent Olaf Pollack vom Team Gerolsteiner. Beim laufenden Giro war Pollack für einen Tag Träger des Rosa Trikots des Gesamtführenden und vier Mal Zweiter und zwei Mal Dritter hinter Petacchi. Bei dessen sechstem Etappensieg in Triest wurde auf ebener Straße eine Spitzengeschwindigkeit von 70,2 Kilometer pro Stunde gemessen. Tsp/dpa

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