Sport : Pete Sampras im Interview: "Ich will noch ein paar Mal gewinnen"

Pete Sampras[seit 1993 haben Sie in Wimbledon sec]

Pete Sampras (28) ist der erfolgreichste Tennisspieler der Gegenwart. Zwölf Mal war er bei Grand-Slam-Turnieren siegreich, sechs Mal gewann er in Wimbledon. Nur die French Open gewann er nie. Dennoch verdiente der US-Amerikaner über 80 Millionen Mark an Preisgeld. Er startet heute gegen den Tschechen Jiri Vanek in sein 12. Wimbledonturnier.

Pete Sampras, seit 1993 haben Sie in Wimbledon sechs Mal gewonnen, überhaupt nur ein Spiel verloren und gelten als einsamer König auf Rasen. Fühlen Sie sich auch im Jahr 2000 wieder als der große Favorit?

Natürlich. In Wimbledon bin ich eine Macht. Anderswo hetzt mich die Meute von Spielern völlig respektlos, wie in Paris. Da gehe ich sozusagen schon verwundet auf den Platz und scheide halt früh aus wie jetzt gegen Philippoussis. Aber geht es nach London auf Rasen, dann hat jeder Angst vor Pete Sampras. So wird es auch in den kommenden beiden Wochen sein.

Warum kann Sie niemand in Wimbledon schlagen?

Das kurze, schnelle Spiel mit Schwerpunkt auf Service und Volley kommt mir sehr entgegen. Wenn mein Aufschlag halbwegs kommt, hat es jeder sehr schwer gegen mich. Ich bin kein Superausdauerathlet, der stundenlang auf Sand durchhält - womöglich noch zwei Wochen, wie in Paris.

Andre Agassi, Ihr großer Rivale, sagt: Wenn Pete das Gras riecht, ist er nicht mehr zu bremsen.

Tatsächlich ist Wimbledon das absolute Highlight der Saison für mich. Gewinne ich hier, ist mein Jahr gerettet. Da geht es mir ein bisschen wie Boris Becker früher. Auf einer ähnlich hohen Stufe stehen nur noch die US Open für den Amerikaner Sampras.

Es gibt immer weniger gute Rasenspieler. Gehen Ihnen die Rivalen aus?

Die jüngeren Profis verabscheuen das Rasentennis und gehen unwillig nach Wimbledon. Ich verstehe das nicht: Dieser Ort ist doch so etwas wie ein Heiligtum. Ich will noch ein paar Mal gewinnen. Hier habe ich immer eine gute Siegmöglichkeit.

Wen sehen Sie als Ihre größten Gegenspieler?

Auch wenn er die letzten Wochen nicht so super drauf war: Andre Agassi. Er will sich bestimmt fürs letzte Jahr revanchieren, für die klare Endspielniederlage. Aber auch Philippoussis kann gewinnen. Zu der Handvoll von Favoriten gehören noch Henman, Krajicek und Hewitt, der für mich sowieso die Nummer eins der Zukunft ist.

Mit einem Sieg in Wimbledon wären Sie zugleich auch der ewige Grand-Slam-Tabellenführer und würden den Australier Roy Emerson auf Platz zwei setzen. Bislang liegen sie beide mit zwölf Titeln in Front.

Es wäre ein Traum, wenn mir dieses Kunststück ausgerechnet am schönsten Ort im Tennis gelänge, in Wimbledon. Mir ist bewusst, dass es keinen anderen Schauplatz im Tennis gibt, wo ich näher dran bin an dieser historischen Rekordmarke.

Ihr früherer Rivale Boris Becker hat zuletzt massiv die Reform der ATP Tour kritisiert und beklagt, dass ein Spieler wie Magnus Norman die Nummer eins des Champions Rennens ist. Wie finden Sie denn das neue Gesicht des Wanderzirkus?

Ich bin vielleicht nicht der beste Kronzeuge, weil es nun mal so ist, dass Spieler wie Agassi oder auch ich schon viel gewonnen haben und sich auf nur noch ganz wenige Highlights konzentrieren. Das ist nach den vielen Jahren im Profibusiness ganz normal. Aber ich kann und darf mich nicht beschweren, dass jetzt Youngster wie Hewitt oder der Spanier Ferrero nach oben kommen. Und dass jemand wie Norman führt - schließlich ist er der konstanteste Profi der letzten Monate gewesen.

Wäre nicht mit dem 13. Titel in Wimbledon ein geeigneter Schlusspunkt für Ihre Karriere gekommen?

Ja, weil dies wirklich der größte Platz im Tennis ist, das weltweit wertvollste und angesehenste Turnier. Und nein, weil ich selbst nach einem Wimbledon-Sieg noch hungrig genug wäre, um weiterzumachen. Ich glaube, als Spieler sollte man sich auch stilvoll vom Publikum zu Hause verabschieden.

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