Peter John Lee im Interview : „Von Zach bis Krupp ist alles möglich“

Eisbären-Manager Peter John Lee über sein Kompetenzteam, das für die deutsche Nationalmannschaft einen Trainer sucht.

Claus Vetter
Peter John Lee. Foto: picture-alliance / City-Press Gmbh
Peter John Lee.Foto: picture-alliance / City-Press Gmbh

Peter John Lee, nach der Entlassung von Bundestrainer Jakob Kölliker werden Sie nun mit Karl-Heinz-Fliegauf das Nationalteam betreuen, wie aufgeregt sind Sie?

Ich als Trainer? Davon weiß ich noch nichts.

So wird es aus Kreisen des Deutschen Eishockey-Bundes kolportiert...

Ich bin gerade in Nordamerika im Urlaub. Kann sein, dass da etwas durcheinandergeraten ist. Fakt ist: Ich gehöre mit Wolfsburgs Manager Fliegauf zu einem neu geschaffenen vierköpfigen Kompetenzteam der Nationalmannschaft, das mit klaren Zielen antritt: Wir wollen, dass sich die Nationalmannschaft beim Turnier im Februar für die Olympischen Spiele qualifiziert.

Wer soll das Team denn dahinführen? Es heißt, einen neuen Bundestrainer wird es bis zur Olympiaqualifikation nicht geben.

Das ist auch so ein Unsinn. Unser Kompetenzteam sucht ab jetzt einen Trainer. Im Idealfall steht der schon im November beim Deutschland-Cup in München hinter der Bande. Erst einmal suchen wir allerdings einen Sportdirektor, der das alles organisiert.

Wie groß ist der Schaden und das Chaos nach der Weltmeisterschaft im Mai, als das Team sich peinliche Niederlagen erlaubte, wie das 4:12 gegen Norwegen?

So ein Ergebnis macht sich nicht gut, keine Frage. Ich habe das Spiel in Stockholm im Stadion gesehen. Dann wurde bei der WM auch noch die direkte Qualifikation für Olympia verpasst. Da war mir klar, dass sich etwas ändern muss. Jahrelang wurde hier in Deutschland so nach dem Motto gearbeitet: ’Das Produkt Deutsche Eishockey-Liga ist wichtig und gut. Ach ja, und leider haben wir dann noch die Nationalmannschaft.’ Das war falsch, wenn in der DEL gespielt wird, geht es um das deutsche Eishockey und wenn die Nationalmannschaft spielt, auch. Also müssen wir von der Liga daran arbeiten, dass unser Produkt auch gut über das Nationalteam verkauft wird. Es wäre eine Katastrophe, wenn wir uns nicht für Olympia qualifizieren würden.

Auf dem Weg dorthin haben Sie und ihr Gremium das Sommertrainingslager der Nationalmannschaft abgesagt. Wohl kaum, um der Gefahr, beim Turnier übertrainiert zu sein, aus dem Wege zu gehen?

Nein, natürlich nicht. Wir werden vor dem Qualifikationsturnier für Sotschi ein Trainingscamp machen. Bis dahin haben wir ja auch einen Trainer.

Wer könnte das denn sein? Der ehemalige Bundestrainer Hans Zach ist im Gespräch?

Von Hans Zach bis Uwe Krupp ist alles möglich. Es muss nicht unbedingt ein Trainer sein, der sich ausschließlich um das Nationalteam kümmert. Da sind wir flexibel. Beim Sportdirektor sieht das natürlich anders aus, der muss viel unterwegs sein, mit den Spielern sprechen, sie für das Nationalteam begeistern.

Vor einem Jahr wurde Krupp Trainer der Kölner Haie. Da hieß es beim DEB: Eine Doppelfunktion als Nationaltrainer sei nicht möglich...

Da lag die WM 2012 noch vor uns. Wir wären nun schlecht beraten, wenn wir nicht offen für neue Konstrukte wären.

Viele der besseren deutschen Spieler waren nicht bei der WM. Christian Ehrhoff und Dennis Seidenberg, Stars in der National-Hockey-League, fehlten. Wie kann es sein, dass Deutschland bei einer WM mit einem B-Team antritt?

Das ist eine gute Frage und sie ist einfach zu beantworten. Als ich noch Co-Trainer der Schweizer war, da ist Trainer Ralph Krueger dreimal im Jahr nach Nordamerika gefahren, um mit den dort tätigen Spielern zu sprechen. Er kannte ihre Wünsche und Probleme, und er hat sie heiß gemacht für die Nationalmannschaft. Absagen gab es da so gut wie keine. Wenn ich natürlich eine Woche vor einem WM-Turnier in Boston beim Seidenberg anrufe und ihn vorher nie gesprochen habe, dann ist die Chance groß, dass ich mir eine Absage einhandele. Kommunikation ist alles. Die Spieler machen das schließlich freiwillig.

Die Kommunikation hat anscheinend unter Jakob Kölliker nicht gestimmt. Kölliker hat auch Zweifel an Ihrem Kompetenzteam. Er sagt, es gebe zu viele verschiedene Interessenslagen...

Ich will mich nicht zu Kölliker äußern. Wenn wir alle Fehler, die zur schlechten WM geführt haben, analysieren wollen, dann diskutieren wir zwei Tage lang. Wir müssen nun nach vorne schauen, wir müssen bessere Strukturen schaffen rund um die Nationalmannschaft.

Wie könnten die denn aussehen? Bei den Eisbären zum Beispiel haben Sie Betreuer für alles Mögliche, sogar einen Teampsychologen. Beim Nationalteam ist der Betreuerstab wesentlich kleiner.

Das stimmt. Aber es sind nicht nur die Menschen um das Team herum. Der Wohlfühlfaktor ist schon ganz wichtig, das geht beim Mannschaftshotel los und geht dann weiter, wie die Spiele des Teams in der Öffentlichkeit präsentiert werden.

Warum spielen Sie die Olympiaqualifikation dann nicht in Berlin oder Köln, sondern in der Provinz, in Bietigheim-Bissingen?

Bei der Entscheidung war ich nicht dabei. Aber egal, in Bietigheim stimmt das Gesamtpaket, dort bewerben sie die Veranstaltung ordentlich und außerdem ist Stuttgart ja in der Nähe. Provinz ist etwas anderes. Die haben ein sehr gutes Angebot abgegeben, um das Turnier zu bekommen. Damit meine ich nicht Geld, sondern das Gesamtpaket, die Betreuung für die Spieler ist dort optimal. Wir wollen einen Hype für die Nationalmannschaft und er soll dort beginnen. Bei einem olympischen Turnier kann sich das Team einer breiten Öffentlichkeit präsentieren, also müssen wir dahin und uns dann auch dort gut verkaufen. Es kann nicht unser Anspruch sein, gegen Norwegen oder Dänemark zu verlieren. Da müssen größere Erfolge her. Unter Uwe Krupp wurde das Potenzial gut ausgenutzt, er hat es ja 2010 sogar bis ins WM-Halbfinale geschafft.

Wie optimistisch sind Sie denn, dass sie – die Qualifikation vorausgesetzt – bei den Olympischen Spielen in Sotschi auch das bestmögliche Team stellen können?

Es ist unsere Aufgabe, die Spieler zu motivieren. Und es sollte nicht schwer sein: Olympia ist das Größte, wichtiger als eine Weltmeisterschaft im Eishockey. Ich weiß, wovon ich spreche. Mein Vater war für England als Fußballer bei den Sommerspielen, ich war später als Co-Trainer der Schweiz bei den Winterspielen dabei. Das war ein Höhepunkt, das war ein Wahnsinnserlebnis. So etwas darf sich ein Sportler nicht entgehen lassen.

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