Sport : Pfefferminztee für starke Nerven Stuttgart hofft weiter auf die Champions League

Oliver Trust

Stuttgart. Felix Magath ließ seinen Teebeutel sanft ins heiße Wasser gleiten. Auf und ab, immer wieder, so als helfe diese monotone Bewegung gegen Frust und Enttäuschung. Er schaute gedankenverloren zu, wie sich die Flüssigkeit grün färbte. Sekunden der Auszeit im Duft von Pfefferminze und der Versuch, Erwartungen und Wünsche mit der Realität in Einklang zu bringen. Es fiel ihm schwer an diesem Tag einer bitteren Niederlage, die durch ein Eigentor von Rui Marques zusätzliche Tragik erhielt. Nach der ernüchternden 0:1-Pleite gegen Werder Bremen entschloss sich der Trainer des VfB Stuttgart, nur einen kleinen Einblick in sein Seelenleben zu gewähren. „Unser Ziel ist die Champions League. Wenn wir jetzt nur den Uefa-Cup erreichen, wäre das eine kleine Enttäuschung", sagte Magath. Die Stimmungslage beim VfB ist in Schieflage geraten. „Die Chancen auf Platz drei sind nun höher als die auf Platz zwei", sagte sein Präsident Manfred Haas.

Trotz schwer verdaulicher Wahrheiten, mühte sich die schwäbische Fußballfamilie, ihre Träume nicht aufzugeben. Konkurrent Borussia Dortmund steht nun auf Rang zwei, das einst satte Polster von drei Punkten ist plötzlich aufgezehrt und aus dem verheißungsvollen Vorsprung wurde ein Rückstand. Als Dritter haben sie nun schlechtere Karten, die direkte Qualifikation für die Champions League zu erreichen, die Millioneneinnahmen garantiert, die sie so dringend zur Sanierung ihrer Finanzen nötig hätten. Und Magath muss sich im Fall des Scheiterns von den Plänen verabschieden, seine Mannschaft mit spielstarken Fachkräften zu verstärken und, wie er es vorgab, nächste Saison um die Meisterschaft mitzubieten. Er klang am Tag der Enttäuschungen wie einer, der laut in den dunklen Wald pfeift, um alle Furcht zu vertreiben. „Ich weiß nicht, ob Dortmund auch noch sechs Punkte holt“, sagte er. Und sein Torwart Timo Hildebrand meinte vollmundig: „Was gibt es Schöneres, als jetzt in München zu spielen. Die kriegen die Schale und wir die Punkte“.

Sie müssen auf einen Patzer der Dortmunder hoffen. Kein sehr schönes Gefühl. „Vielleicht denken wir zu viel darüber nach, was passieren könnte“, meinte Kevin Kuranyi, der hochgelobte Torjäger mit Ladehemmung. „Eigentlich fühlen wir uns Scheiße“, sagte Hildebrand, noch bevor Magath zur brauchbaren Situationsanalyse antrat. „Es läuft nicht mehr rund“, sagte dieser. In solch entscheidenden Spielen fehle ein „Koordinator“ wie Zvonimir Soldo. Der aber war verletzt. Ob er in München spielen kann, ist mehr als fraglich. Ohne die Unbekümmertheit und ohne den Schwung, der sie nach oben trug, spielten sie gegen die defensiven Bremer. Zu viele Einzelaktionen, zu wenig Kombinationsspiel.

Magath und Haas hatten erwartet, „dass die Mannschaft wesentlich befreiter spielt, da wir die Uefa-Cup-Qualifikation sicher haben. Sie hat es nicht getan“, stellte Haas fest. „Wenigstens kann uns jetzt am nächsten Spieltag mit Platz drei nichts passieren. Am 34. Spieltag könnte dann eine echte Endspielsituation entstehen. Platz drei wäre auch ein Erfolg.“ Der VfB müsste dann Qualifikationsspiele bestreiten, die dem Sieger die Teilnahme an der Champions League und damit Einnahmen von mindestens zwölf Millionen Euro garantieren.

Felix Magath will daran lieber nicht denken. „Bremen hat auch in München gewonnen, warum sollen wir das nicht tun.“ Der Chor der Zuversichtlichen wuchs mit jeder Minute. „Jetzt dürfen wir den Kopf nicht hängen lassen, jetzt müssen wir die zwei Spiele gewinnen“, sagte Krassimir Balakow. Für Magath wird genau das eine „Sache der Nerven und der Qualität“. Davon schienen die Stuttgarter am Wochenende zu wenig zu haben.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben