Sport : Pfeif drauf

Steffen Hudemann

sagt, was Jens Lehmann bis zur WM trainieren muss Oliver Kahn kennt das. Was seinem Gegenüber Jens Lehmann am Dienstagabend widerfuhr, ist für ihn nichts Neues. Die Pfiffe und Beschimpfungen gegen Lehmann aus dem Bayern-Fanblock in der Münchner Allianz-Arena waren unfair, sicher. Aber sie unterschieden sich nicht von dem Verhalten der Fans in Dortmund, Schalke oder Bremen, wenn Oliver Kahn aufläuft. Wie viele Bananen der Torwart des FC Bayern München aus den Strafräumen der Bundesligastadien gesammelt hat, bleibt ungezählt. Auch im Nationaltrikot ist Kahn in Deutschland schon ausgepfiffen worden. Für einen Fußballspieler sind Pfiffe und Schmähgesänge nun mal, was für einen Politiker Eier oder Farbbeutel sind. Fast jeder kommt einmal damit in Berührung.

Die Tatsache, dass die beiden Torhüter der deutschen Nationalmannschaft die im Land mit Abstand unbeliebtesten sind, wird für Jens Lehmann zu einem größeren Problem als seine Leistungsschwankungen. Denn Kahn hat in den vergangenen Jahren eines gelernt: Wenn das Publikum gegen ihn ist, leidet seine Leistung nicht darunter. Lehmann aber wirkte in München verunsichert, spielte schlecht und ließ sich zu einem unnötigen Foul hinreißen. Am 9. Juni 2006 bestreitet Deutschland an gleicher Stelle das Eröffnungsspiel der Weltmeisterschaft. Zwar wird das Publikum dann anders zusammengesetzt sein, seit Dienstag ist es dennoch ein Stück unwahrscheinlicher geworden, dass die Nummer eins Jens Lehmann heißen wird.

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