Sport : „Pferde sind gleichberechtigte Partner“

Der weltbeste Trabrennfahrer Heinz Wewering über seine Liebe zu Tieren und seine Chancen bei der Derbywoche

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Herr Wewering, Sie haben 14 956 Trabrennen gewonnen, darunter sieben Mal das Derby. Vor sechs Wochen haben Sie den Kanadier Herve Filion in der ewigen Bestenliste verdrängt. Wie fühlt man sich als erfolgreichster Trabrennfahrer aller Zeiten?

Dieser Weltrekord hat mich sehr gefreut. Ich war schon immer ehrgeizig. Als ich mich als junger Mann für den Pferdesport entschied, wollte ich nicht nur irgendwie mitmischen. Ich hatte mir vorgenommen, eines Tages ganz vorn zu sein. Erst habe ich mich auf Erfolge in meiner Heimat konzentriert. Aber es ging immer weiter, irgendwann kamen die großen internationalen Erfolge und der 10 000. Sieg und so weiter. Bisher hat mir jeder einzelne Tag Spaß gemacht.

Mit Ihren Trabern haben Sie in dieser Zeit mehr als 50 Millionen Euro Prämie erzielt. Was können Sie, was andere nicht können?

Geheimtricks habe ich nicht. Man muss eine Basis haben: Für mich gibt es nichts Faszinierenderes als Pferde. Man muss die Tiere als gleichberechtigte Partner akzeptieren und lieben, das ist das Wichtigste. Das Gespür für die Grenzen muss da sein, der Respekt vor dem Pferd. Nichts ist schlimmer, als einem Traber den Willen zu brechen und ihm mehr zuzumuten, als er leisten kann.

Das heißt, SulkyProfis müssen liebevoll sein?

… und fleißig. Die Rennen werden im Training gewonnen – nicht erst, wenn das Startkommando erfolgt. Hinter jedem Sieg steckt harte Arbeit. Mein Tag beginnt morgens um sieben Uhr im Stall und endet abends nach den Rennveranstaltungen um 23 Uhr. Das ist anstrengend. Aber Erfolg ist die allerbeste Motivation.

Der Erfolg bleibt Ihnen auch in dieser Derbywoche in Mariendorf treu. Sie haben gleich das erste Rennen des Meetings gewonnen und liefern sich mit dem Berliner Profi Michael Hönemann ein Duell ums Fahrer-Championat, das heute Abend in die nächste Runde geht.

Das Duell wird bis zum Schluss spannend bleiben. In Mariendorf ist die Stimmung in der Derbywoche bundesweit einzigartig. Für mich ist ganz klar: Das Derby gehört zu Berlin wie der Ku’damm!

Wie schätzen Sie Ihre Chancen auf den Derbysieg ein?

Am meisten erwarte ich vom Hengst November, der sehr schnell, aber auch sehr kompliziert ist. In den kommenden Tagen werde ich noch einiges bei ihm umstellen, damit er stärkere Nerven bekommt und nicht wieder Galopp geht. Ansonsten führt kein Weg an seinem Stallgefährten Nelson November mit dem Piloten Michael Schmid vorbei.

Auf diesem Gespann ruht nach sechs Zuchtrennen-Siegen in Folge ein enormer Druck.

Da kann ich mit Michael Schmid fühlen. Ich weiß, wie es ist, wenn alle von einem den Derbysieg erwarten. Aber ich traue ihm den Triumph zu.

Sie loben die Konkurrenz. Aber die Konkurrenz lobt auch Sie. Egal, mit wem man spricht, Heinz Wewering wird immer gelobt und ausgezeichnet. Besteht bei Ihnen nicht langsam die Gefahr, dass Sie übermütig werden?

Nein, ich bleibe bescheiden. Meine Mutter hat neun Kinder in der Nachkriegszeit großgezogen. Ich habe schnell gelernt, dass man auch abgeben muss. Wenn jemand wirklich eine Auszeichnung verdient hat, dann bin nicht ich es, sondern es ist meine Mutter.

Welche Ihrer Träume sind bisher offen geblieben?

Für mich persönlich hat sich alles erfüllt. All das, was ich mir einmal ausgemalt habe, ist eingetreten. Aber für meinen Sport gibt es noch viel zu erreichen. Die Strukturen in den Rennvereinen und den Verbänden stimmen nicht, alles ist viel zu unprofessionell.

Was meinen Sie damit?

Am Trabrennsport hängt wirtschaftlich sehr viel: die Arbeitsplätze, das finanzielle Engagement der Züchter und Besitzer. Da kann es nicht sein, dass diese Dinge von ehrenamtlichen Funktionären verwaltet werden. Wir leben schließlich nicht mehr in der Steinzeit. Und die Veranstaltungen müssen viel attraktiver für die Leute werden. Erst, wenn sich das Publikum rundum wohl fühlt, haben wir unser Ziel erreicht.

Das Gespräch führte Heiko Lingk.

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