Sport : Pferdesport: Ein Gentleman tritt ab

Ingo Wolff

Es klingt fast wie eine klassische Inszinierung. Die Galopprennbahn Hoppegarten ist in der Krise, der Union-Klub als Betreiber steht kurz vor der Pleite und dann kommt kurz vor dem Aus der Ritter auf dem weiße Pferd auf die Rennbahn. Der Reiter heißt Peter Boehnisch und könnte für den Rennverein jene markante Persönlichkeit sein, die der Klub für die Außendarstellung dringend benötigt. Der Publizist, dessen Autoren- und Beratervertrag unlängst beim Springer-Verlag gekündigt wurde, stellt sich morgen bei der Generalversammlung des Klubs der Wahl zum Präsidenten. Allerdings nur unter bestimmten Bedingungen, die er den Mitglieder ab 11 Uhr im Hotel Hoppegarten erstmals nennen will. "Es kommt darauf an, ob ich freie Hand habe", sagt Boehnisch. Der ehemalige Regierungssprecher hat klare Vorstellungen, wie er die Rennbahn aus der Krise holen kann. Er glaubt, dies aber nur mit allen Pferdeinteressierten in Berlin gemeinsam zu erreichen. Er appelliert dabei auch an die Hilfe der Stadt: "Wir schaffen das nicht allein." Seine Motivation ist die Liebe zu Pferden und zu Berlin. Er besitzt selbst seit Jahren Pferde, die er immer beim Erfolgstrainer Bruno Schütz unterstellen ließ, und ist seit Jahren Mitglied im Union-Klub. Deshalb will er Hoppegarten helfen, wenn sein Rennstall inzwischen auch auf zwei Fohlen geschrumpft ist. Boenisch könnte als neugewählter Präsident bereits wenige Stunden später den Renntag in Hoppegarten (Beginn 14.45 Uhr) eröffnen.

"Wir sind sehr froh über über seine Kandidatur. Er hat einen hohen Popularitätsgrad", sagt Karl-Heinz Oehler. Für den Präsidenten des Union-Klubs war es wegen der Finanz-Krise nicht einfach einen Nachfolger mit guten Kontakten zu finden. Lange hat Oehler um den Vizepräsidenten Wilhelm Karl von Preußen gebuhlt, doch der wollte nicht. Oehler hatte bereits im vorigen Jahr angekündigt, sich nicht mehr zur Wahl zu stellen. Der 69-Jährige hatte in seinem Amt schon lange resigniert. Er pflegt eigentlich eine Tradition, die unter Geschäftsleuten und Juristen ungeschriebenes Gesetz ist: "Ich bin ein Mann, der zu seinem Wort steht." Doch nach knapp drei Jahren Amtszeit im Rennverein der Galopprennbahn Hoppegarten hat den Berliner Rechtsanwalt und Notar die Wirklichkeit eingeholt. Der 69-Jährige beklagt, dass er sich selbst bei hochrangigen Personen nicht auf verbindlichen Zusagen verlassen konnte. Das hat ihn verbittert und zum Rückzug bewogen. "Ich war viel zu vertrauensvoll", sagt Oehler als Fazit seiner Amtszeit. Andere Vorwürfe prallen an ihm ab, auch der Vorwurf aus dem Galoppsportverband, er hätte mit seinem Handeln den Union-Klub nah an den Konkurs geführt. Dabei hat Oehler in den vergangenen Jahren rund eine halbe Million Mark aus eigener Tasche in die Rennbahn gesteckt. Doch jetzt muss sich Karl-Heinz Oehler eingestehen, dass weder sein Geld, noch sein Temperament oder seine Arbeitskraft zum gewünschten Erfolg geführt haben. Immerhin ist es Karl-Heinz Oehler in seiner Amtszeit gelungen, eine alte Steuerschuld beim Finanzamt Köln von ursprünglich 600 000 Mark auf 230 000 Markt runterzuhandeln. Doch wie er über die vielen Rennpreise aus eigener Kasse nicht spricht, mit denen er viele Renntage gerettet hat, verliert er auch über diesen Coup kaum Worte - eben wie ein alter Gentleman.

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