Sport : Pferdesport: Noch eine Berliner Wahl

Hans Moritz

Noch nie ist eine Wahl in Hoppegarten mit einer solchen Spannung erwartet worden wie die gestrige. Die Finanzkrise und die bevorstehende Privatisierung der Galopp-Rennbahn sorgten zuletzt für Unruhe beim Union-Klub, einer honorigen Züchter-Vereinigung. Der Wahl des neuen Präsidenten ging dann auch im Hotel Hoppegarten eine zweieinhalbstündige Auseinandersetzung voraus, doch das Ergebnis kam schließlich wenig überraschend: Mit Peter Boenisch wurde von den 65 anwesenden Union-Klub-Mitgliedern der Favorit zum Präsidenten gekürt.

Der 73-jährige Publizist, der erst vor einer Wochen als aktiver Berater aus dem Vorstand des Axel-Springer-Verlages ausgeschieden ist, erhielt ohne Gegenstimme das Vertrauen. Seine Vizepräsidenten Bernhard von Schubert und Prinz Wilhelm von Preußen kamen dagegen nicht einstimmig ins Amt. Zuvor hatten einige Mitglieder noch einmal versucht, Karl-Dieter Ellerbracke als Chef der Besitzervereinigung ins Gespräch zu bringen, was aber abgelehnt wurde. Der ehemalige Regierungssprecher Boenisch, der den nur knapp drei Jahre amtierenden Berliner Notar Karl-Heinz Oehler abgelöst, ist im Rennsport kein Unbekannter. Schon vor 40 Jahren hat er sich nach einem Besuch auf der Rennbahn von Iffezheim Vollblüter gekauft. Unter dem Namen "Stall Konstantin" ließ Boenisch seine Pferde lange Jahre bei Bruno Schütz trainieren. Erst kürzlich hatte Boenisch seinen Hauptwohnsitz von Gmünd am Tegernsee nach Berlin verlegt.

Der neue Präsident des Union-Klubs ist für drei Jahre gewählt. In dieser Zeit soll nach dem Kampf gegen den Niedergang die Weichenstellung für eine Zukunft der Galopprennbahn erfolgen. Die Antrittsrede von Boenisch machte nicht nur den Anwesenden Mut, sondern auch den unmittelbar Betroffenen. "Ich denke schon, dass der neue Mann etwas bewegen wird. Er scheint Ahnung vom Rennsport und vor allem auch Interesse am Weitergehen in Hoppegarten zu haben", sagte Harald Franke. Der Trainer hatte sich gemeinsam mit seinen Hoppegartener Kollegen vor dem gestrigen Renntag an der Tagungsstätte des Union-Klubs postiert und die Mitglieder mit Handzetteln auf ihre Verantwortung für einen wichtigen Wirtschaftsfaktor der Region aufmerksam gemacht. Vizepräsident Bernhard von Schubert hatte schon vor seiner Wahl die nächsten Schritte angedeutet, um die Weichen für eine Privatisierung zu stellen. So will sich der Union-Klub um eine Fusion mit der Besitzervereinigung von Ellerbracke bemühen, um die Interessen für Hoppegarten zu bündeln. Die Besitzervereinigung hat mehrfach die Bereitschaft signalisiert, die Saison in Hoppegarten zu sichern. Bisher steht nur nur der nächste Renntag am 8. Juli fest, das Gruppe-II-Rennen um die Berlin-Brandenburg-Trophy.

Ein weiterer Schritt soll noch in diesem Sommer folgen, wenn die Privatisierung nach zehnjährigem Anlauf gesichert sein soll. Das Projekt "HorsePark", das gestern erstmals Details seiner Planung vorstellte und mit Vizepräsident von Schubert als Initiator beste Beziehungen zum Union-Klub hat, stößt auch bei den betroffenen Trainern nicht mehr auf Ablehnung. "Die Zukunft des Galopprennsports in Hoppegarten zu sichern ist das erklärte Ziel des HorsePark Hoppegarten", hieß es gestern im Präsentationszelt. 20 Renntage pro Saison wurden gefordert. Wenn die Bodenverwertungs-Gesellschaft als Treuhand-Nachfolgerin am Mittwoch zur Pressekonferenz lädt, soll der nächste Schritt bekanntgegeben werden.

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